Obstgarten im Juni

Der Juni ist in mehrfacher Hinsicht ein wichtiger Monat im Obstgarten: zum einen kann schon fleissig geerntet werden, andererseits kann es gebietsweise noch ganz schön frisch werden während er Schafskälte in der 2. Hälfte des Monats. Und noch ein weiterer Aspekt zeigt uns mitten im schönsten Sommer auf, dass es schon wieder in Richtung Herbst geht. Denn am 21. Juni erreicht die Sonne ihren mittäglichen Höchststand über dem Horizont. An diesem Tag erleben wir den längsten Tag und die kürzeste Nacht. Dieser wörtlich übersetzte „Stillstand der Sonne“ wiederholt sich ja 2 Mal im Jahr (am 21. Dezember mit der Wintersonnenwende). Für die Menschen hatte dieser Tag schon immer eine mystische Bedeutung, die sich in Mitsommernachtsfesten oder Sonnwendfeiern und dem abbrennen von sonnwend- oder Johannisfeuern widerspiegelt. Denn seit der Christianisierung Europas feiert man die Sommersonnenwende am 24. Juni, dem Johannistag, zu Ehren des Heiligen Johannes des Täufers. Und dieser Tag ist eng verknüpft mit der Natur und der Landwirtschaft: Bis zum Johannistag hat man Spargel gestochen und Rhabarber geerntet. Und nach dem Johannistag kann man einen Sommerschnitt an Bäumen machen, ohne dass in diesem Jahr noch ein Austrieb erfolgt. Beim Apfel kennt man den Junifall, und grüne Nüsse schmecken lecker!

Und das Johannisfeuer hat es in sich: wer in seiner Nähe tanzt oder gar drüber springt, hat Glück, wer Holz ins Feuer wirft, wird von Unglück befreit werden! Welch eine Vorstellung! Dem Holunder und der Brennnessel wird eine besondere Heilwirkung am Johannistag nachgesagt, deshalb werden Holunderkuchen und Brennnesselpfannkuchen.


Jetzt auf die Wasserversorgung achten!

Bei gutem Behang sollte unbedingt auf eine gute und gleichmäßige Bewässerung geachtet werden, um physiologische Schäden vorzubeugen. Bedenken Sie, dass es in vielen Regionen im Februar und März viel zu wenig geregnet hat! Beim wässern gilt die Regel: lieber in größeren Abständen und kräftig bewässern als jeden Tag nur ein wenig. Dabei kann man pro Wassergabe durchaus bis zu 20 l/qm geben. Doch wie oft soll man bewässern? In Rheinland-Pfalz findet man für den Freizeitgartenbau eine spezielle Bewässerungsempfehlung (www.gartenakademie.rlp.de, „Gartenwetter“).
Mit einem eigenen Regenmesser im Garten kann man die gefallenen Niederschläge einfach aufrechnen. Wenn man dann noch weiß, das an heißen Tagen etwa 4-6 l pro qm unbewachsenen Boden verdunsten, kann man sich seinen standorttypischen Wasserbedarf ungefähr ausrechnen und liegt somit auf der sicheren Seite.
Zur Bewässerung selber gelten folgende Regeln:

Sehr ungünstig ist eine Wassergabe über Kopf am Abend: dann bleiben Früchte und Pflanzen sehr lange nass, Pilzkrankheiten sind dann die Folge.
Am Besten immer frühmorgens bewässern, damit die Pflanzen rasch wieder abtrocknen können.
Wer Wasser ganz gezielt und sparsam einsetzen will, der kann mit Tropfschläuchen sehr gute Erfolge erzielen. Denn hiermit wird das Wasser dahin gebracht, wo es gebraucht wird, nämlich in die Nähe der Wurzeln. Und Blätter und Früchte bleiben trocken!

Alle Jahre wieder: rechtzeitiges Ausdünnen der Früchte


Obwohl der natürliche Junifall bei den Bäumen für eine deutliche Entlastung sorgt, bleiben in den meisten Fällen immer noch zu viele Früchte hängen. Das ist in zweierlei Hinsicht schlecht, denn zum einen bleiben die Früchte zu klein und haben oft weniger Inhaltsstoffe, andererseits fördert dies besonders beim Kernobst die gefürchtete Alternanz: nach einem Jahr mit sehr vielen Früchten haben die Bäume im nächsten Jahr kaum oder nur ganz wenige. Folgende Ausdünnungsstrategie ist für den Garten sinnvoll:

Zwetschen:
bei sehr starkem Fruchtansatz ausdünnen. Hierzu gibt es 2 Möglichkeiten: entweder mit der Schere ganze Äste herausschneiden oder einzelne Früchte von Hand entfernern (Faustzahl: ca. 30 Früchte pro Meter Fruchtholz).
Apfel:
Handausdünnung: bei Sorten mit zu hohem Fruchtansatz jetzt überschüssige Früchte von Hand entfernen. Vereinzeln der Früchte auf 1 Frucht (kleinfrüchtige Sorten) oder 2 –3 Früchte/Blütenstand (großfrüchtige Sorten). Bei Bäumen auf der Unterlage M9 (ca. 2.5 m hoch) sollte die Gesamtfruchtzahl 80-max. 100 Früchte nicht überschreiten. Dann gibt es die besten Fruchtgrößen und regelmäßige Erträge sind zu erwarten. Belässt man deutlich höhere Fruchtzahlen, die ohne Handausdünnung regelmäßig vorkommen (bis zu 250 Früchte sind keine Seltenheit), ist die Alternanz vorprogrammiert. Alternazanfällige Sorten sind beispielsweise Elstar oder Boskoop. Je früher die Handausdünnung vorgenommen wird, desto eher sind über die Jahre regelmässige Erträge zu erwarten.

Am Besten, Sie probieren diese Handausdünnung einmal aus und beobachten, wie der Baum im nächsten Jahr reagiert. Ein weiterer Vorteil: sie können natürlich gezielt beschädigte, angestochene oder schlecht positionierte Früchte entfernen, so dass zum Schluß nur die guten an der Peripherie des Baumes übrig bleiben. Diese bekommen dann die meiste Sonne und danken dies mit optimalen Geschmack und Aroma!

Faustzahlen für die Ausdünnung:

ObstartAusdünnung
Zwetschen20-25 Früchten pro lfm Fruchtholz
Äpfel, BirneVereinzeln der Früchte auf 1 Frucht (kleinfrüchtige Sorten wie Rubinette, Elstar) oder 2 Früchte/Fruchtstand (großfrüchtige Sorten wie Boskoop, Jonagold).
Bei Bäumen auf der Unterlage M9 (ca. 2.5 m hoch) sollte die Gesamtfruchtzahl 80-max. 100 Früchte nicht überschreiten, bei deutlich größeren Bäumen auf mittelstark wachsenden Unterlagen ca. 150 Früchte
Pfirsiche, NektarinenDamit sich die Früchte bei zunehmendem Dickenwachstum später nicht gegenseitig abdrücken, sollte der Abstand zwischen den Früchten faustbreit sein.
AprikosenAbstand zwischen den Früchten 3-Finger breit

  • Kernobst Apfel, Birne, Quitte: verstärkt auf Feuerbrandbefall achten (spazierförmige Krümmung der Triebspitzen, evtl. bernsteinfarbene und stecknadelkopfgroße Schleimtropfen). Auch Wirtspflanzen wie Zwergmispel (Cotoneaster), Feuerdorn (Pyracantha), Weissdorn (Crataegus) und Vogelbeere (Sorbus) beobachten. Bei Befall: Kernobst ins gesunde Holz zurückschneiden, befallene Zierpflanzen komplett roden und verbrennen.
  • Juniriss: Krautige Triebe, die für den Baumaufbau nicht benötigt werden oder an ungünstigen Positionen stehen, können im Juni weggerissen werden. Das erspart später viel Arbeit. Durch das herausreißen mitsamt der Beiaugen wird so ein übermässiger Neuaustrieb im nächsten Jahr verhindert.

Mal was anderes – Grüne oder schwarze Nüsse

Nicht selten stehen im Garten auch Walnussbäume, und die Vielzahl der reifen Früchte im Herbst ist kaum noch zu bewältigen. Experimentierfreudige Obstfreunde können deshalb um den Johannistag (24. Juni) grüne Nüsse ernten. Zu diesem Zeitpunkt haben die Früchte Ihre optimale Größe erreicht, die innere Schale ist aber noch nicht verholzt. Sie lassen sich nach alten Rezepten gut zu Likör oder "Grünen" bzw. "Schwarzen" Nüssen verarbeiten.
Grundrezept: 1 kg Grüne Walnüsse, 150 ml Wasser, 400 ml Obstessig, ca. 1 kg Zucker, Zimtstangen, 1 Vanillestange, 1-2 Nelken, Zitronenschale.
Zubereitung: die Früchte mehrfach mit einer Gabel oder Nadel durchstechen und dann 2-3 Wochen gründlich wässern, durch den häufigen Wasserwechsel werden die Bitterstoffe entfernt. Anschließend mehrfach in Salzwasser kochen, was zu der typischen Schwarzfärbung führt, danach mit den Gewürzen aufkochen. Zum Schluss werden die Früchte in ein Glas gefüllt und mit dem aufgekochten Gewürzssud aufgefüllt und eingeweckt. Und wer dann einige Wochen oder besser Monate abwarten kann, wird mit einem unvergleichlichen Aroma belohnt, in Scheiben geschnitten passen sie zu Wildgerichten, Dessert und Käse.

Arbeiten im Garten
  • Monilia bei Steinobst: Infizierte Blüten und Triebspitzen bei Aprikosen, Pfirsichen und insbesondere Sauerkirschen herausschneiden. Dadurch kann der Infektionsdruck deutlich reduziert werden.
  • Insbesondere während schwül-heißer Witterung sollten Stachelbeeren auf Mehltaubefall kontrolliert werden: Befallene Triebspitzen abschneiden und entfernen. Bei den frühen Sorten kann man bei Starkwachsenden Sorten gleichzeitig einen Sommerschnitt (Nachernteschnitt) durchführen. Grundsätzlich gilt: anfällige Sorten gehören nicht in den Hausgarten und sollten durch mehltaufeste Sorten wie Rokula oder Invicta ersetzt werden.
  • Kernobst Apfel, Birne, Quitte: verstärkt auf Feuerbrandbefall achten (spazierförmige Krümmung der Triebspitzen, evtl. bernsteinfarbene und stecknadelkopfgroße Schleimtropfen). Auch Wirtspflanzen wie Zwergmispel (Cotoneaster), Feuerdorn (Pyracantha), Weissdorn (Crataegus) und Vogelbeere (Sorbus) beobachten. Bei Befall: Kernobst ins gesunde Holz zurückschneiden, befallene Zierpflanzen komplett roden und verbrennen.
  • Jetzt ist eine gute Zeit zum Formieren der von Jungbäumen. Dabei werden ungünstig oder steil stehende Triebe im Kopfbereich entfernt oder herunter gebogen. Die Triebspitze sollte dabei immer leicht nach oben zeigen. Beim Binden sollte man darauf achten, dass der Trieb keinen „Katzenbuckel“ macht.
  • Juniriss: Krautige Triebe, die für den Baumaufbau nicht benötigt werden oder an ungünstigen Positionen stehen, können im Juni weggerissen werden. Das erspart später viel Arbeit und gibt einen harmonischen und kompakten Baumaufbau. Durch das herausreißen der Triebe mitsamt der Beiaugen wird so ein übermäßiger Neuaustrieb im nächsten Jahr verhindert. Das Reißen von jungen Trieben geht schneller als Schneiden und fördert gleichzeitig die Wundheilung.





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