Obstgarten im März

„Wenn's erst einmal Josefi (19. März) ist, so endet auch der Winter gewiss, weil am Josefstag soll der faulste Bauer auf seinem Acker sein“. Und dann wird`s auch höchste Zeit, denn am 20. März ist kalendarischer Frühlingsanfang. Gut, das ist eine richtige Steilvorlage nach dem langen Winter: endlich geht es wieder los mit dem individuellen Fitness-Programm im Garten: Umgraben, rechen, säen und pflanzen, dazu die letzten Bäume schneiden und das Schnittholz mit der Schere schön zerkleinern, Kompost umsetzen nicht vergessen. Mit diesem „Work-out“ werden alle Muskelgruppen im Körper beansprucht und wieder zum Leben erweckt, und das alles völlig kostenfrei und ohne Rezept und vor allen Dingen immer an der frischen Luft! Na. Wenn das nichts wird…

Und wo wir gerade dabei sind: wie lange dauert eigentlich der Winter? Für die Meteorologen dauert er von Dezember bis Ende Februar. Kalendarisch endet er am 20.März. Ja, und dann gibt es da auch noch den phänologischen Kalender, basierend auf der genauen Beobachtung der Natur.


Der Phänologische Kalender
Die „gefühlte Jahreszeit“ muss nicht mit der kalendarischen übereinstimmen!

Ist es ihnen auch schon einmal so gegangen: Die „gefühlte“ Jahreszeit entspricht nicht der des Kalenders? Das liegt daran, dass sich die Natur nach dem Klima richtet und nicht nach feststehenden Terminen. Aussaat und Ernte, Austrieb und Blühbeginn einzelner Pflanzen variieren nicht nur von Jahr zu Jahr, sondern auch von Region zu Region. Ist es sehr lange kalt, verzögert sich die Entwicklung oft um 1-2 Wochen. Steigen dann die Temperaturen, erscheinen oft explosionsartig überall die Blüten und die Natur hat innerhalb weniger Tage wieder aufgeholt. Dem trägt der Phänologische Kalender Rechnung, der nicht mit festen Terminen und Zeitspannen arbeitet sondern
sich an der Entwicklung einzelner, typischer „Zeigerpflanzen“ orientiert. Daneben sind aber auch das Erscheinen von Tieren wie z.B. der ersten Bienen oder Schmetterlinge, der erste Kuckucksruf oder die Rückkehr der Rauchschwalben Anhaltspunkte für den Beginn einer neuen Periode. Phaenologisch unterteilt man den Frühling auch für den Laien leicht erkennbar am Blühbeginn bzw. der ersten Blattentfaltung folgender Obstgehölze:

Vorfrühling: Blühbeginn von Haselnuss /Schneeglöckchen
Erstfrühling: Blühbeginn von Forsythie/Blattentfaltung der Stachelbeere
Vollfrühling: Blühbeginn des Apfels/Blattentfaltung der Stieleiche

Überhaupt dominieren die Obstgehölze im phänologischen Kalender, da sie gut bekannt und weit verbreitet sind.

Jetzt sollten die letzten Gehölze in den Boden - Späte Frühjahrspflanzungen sind ungünstig

Anfang März bringt man noch schnell die letzten wurzelnackten Gehölze in den Boden (Ausnahme: Tafeltrauben, die erst Ende April/Anfang Mai gepflanzt werden). Bei späteren Pflanzterminen greift man sicherheitshalber auf gut bewurzelte Containerware zurück. Grundsätzlich gilt:
- eine Herbstpflanzung ist immer einer Frühjahrspflanzung vor zu ziehen.
- Je später der Pflanztermin, desto besser müssen die Anwachsbedingungen sein. Das
bedeutet:


  • kräftiger Rückschnitt der Krone: Denn die Gehölze müssen jetzt gleichzeitig einwurzeln und austreiben. In trockenen Frühjahren bedeutet das Streß, und der Austrieb ist dann unbefriedigend oder es gibt Kümmerwuchs. Gute Baumschulen bieten einen fachgerechten Pflanzschnitt beim Kauf als Service an.
  • Ganz wichtig ist ein kräftiges antreten, damit ein guter Wurzelschluß hergestellt wird! Auch wenn in manchen Veröffentlichungen
    Ebenso wichtig: mehrmalige Bewässerung nach dem Pflanzen bis in den Juni hinein.
    Verdunstungsschutz der Baumscheibe durch Abdeckung mit organischem Material.
    (Komposte, Rindenmulch, Stroh). Wichtig: Stammbereich frei lassen (Verbrennungsgefahr).
    Aushub des Pflanzloches mit Kompost vermischt ( 3:1 Erde/Kompost)
  • nach dem Pflanzen: Etiketten, Drähte, Schnüre entfernen, damit sie nicht einwachsen können und den Baum strangulieren.
Wer später als Mitte-Ende März noch Gehölze pflanzen will, kann aus der Not eine Tugend machen: Schwachwachsende Obstarten können auch sehr gut in Töpfe, Container oder Kübel gepflanzt werden. Dadurch sind sie mobil und können an verschiedenen Orten stehen, z. B. als gestalterisches Element an Terrasse oder Balkon, als Sichtschutz oder natürliche Begrenzung etc. Diese Kultur hat eine jahrhundertealte Tradition, beginnend mit der Kultivierung exotischer Obstarten wie Orangen, Zitronen, Feigen oder Granatäpfeln. Ihre Überwinterung erfolgte frostsicher in den sogenannten „Orangerien“. Neben diesen mediterranen und exotischen Obstarten wurden später auch heimische, winterfrostharte Obstarten in Kübeln angebaut. Neben dem Kernobst sind auch die Steinobstarten sowie die Tafeltraube für eine Kübelkultur geeignet. Die wichtigste Voraussetzung ist, dass die Gehölze auf eine schwachwachsende Unterlage veredelt sind. Damit die Bäume schön kompakt bleiben, wird beim Schnitt, ähnlich wie bei der Bonsai-Kultur oder bei der Formobst-Erziehung viel mit Sommerschnitt und dem pinzieren langer Triebe. Obstbäume in Kübeln können als mehrjährige, tragende Bäume gekauft werden oder aber jetzt getopft und selbst erzogen werden.

Neuheiten für den Obstgarten

Neben den bekannten Obstarten und Sorten bietet der Handel immer wieder Neues an wie z. B. exotische Obstarten, besondere Baumformen oder Neuzüchtungen mit Früchten die aussehen, als wären sie in einem Schraubstock gewachsen, wie die Tellerpfirsiche.

Aufgrund der spürbaren Klimaveränderung mit zunehmender Erwärmung weitet sich die Anbauwürdigkeit für Wärme liebende Pflanzen aus. In gleichem Maße steigt der Wunsch der Obstfreunde, neue Obstarten, die man vielleicht aus dem Urlaub kennt, auch im heimischen Garten anzubauen wie:
Kaki-Pflaume (Diospyros kaki). Mittlerweile werden auch Sorten angeboten wie ‚Jiro’, Fuyu’, `Sharon` und ‚Hanafuju’ die nicht bitter sind und trotzdem am Baum ausreifen. Die Bäume sind frosthart und tragen am Standort Neustadt regelmäßig.

Granatapfel (Punica granatum): Der Artname granatum leitet sich aus dem lateinischen Wort granae (Kerne, Körner) ab und gibt einen Hinweis auf deren große Anzahl (lat. granatus = kernreich). Diese wiederum sind von leckerem und feinsäuerlichem Fruchtfleisch umgeben, welches sich zum Verzehr mit einem Löffel bequem herauslösen lässt. In vielen Kulturen wurde der Granatapfel deshalb als Symbol der Fruchtbarkeit verehrt. Die Bäume sind frosthart und tragen am Standort Neustadt regelmäßig essbare Früchte.

Papau, auch Indianerbanane (Asimina triloba): Das Fruchtfleisch ist geschmack-lich mit dem von Bananen vergleichbar, außergewöhnlich sind die bis zu 10 cm langen Früchte mit ihren typischen Samen. Es gibt verschiedene Sorten.
Kap-Stachelbeere (Physalis peruviana, im Englischen auch Cape gooseberry genannt). Meist als Samen angeboten, mehrjährige Staude, Wurzelstock muss frostfrei gelagert oder im Freiland abgedeckt werden.
Japanische Stachelbeere oder Scharfzähniger Strahlengriffel (Actinidia arguta), auch Kiwai, Bayern-Kiwi oder Kleinfruchtige Kiwi genannt. Die unbehaarten und vitaminreichen Früchte erreichen die Größe von Stachelbeeren und können mit Schale gegessen werden, die Sträucher gelten als ausgesprochen frosthart. A. arguta ist eine nahe Verwandte der bekannten Kiwifrucht (A. deliciosa).
Teller-Pfirsiche oder Teller-Nektarinen. Sie werden erst seit einigen Jahren im Fachhandel angeboten und fallen ob der plattgedrückten Fruchtform (Plattpfirsich) direkt ins Auge. Mittlerweile gibt es von Prunus persica var. platycarpa ein breites Angebot von Bäumen im Fachhandel, am bekanntesten ist die weissfleischige `Saturn`.

Bedenken Sie aber, dass zu diesen und ähnlichen Pflanzen noch recht wenig Erfahrungen vorliegen. Und woher weiss man, ob es im eigenen Garten funktioniert? Ganz einfach: probieren Sie es aus! Machen Sie Ihren eigenen „Versuchsbetrieb“ und erproben versuchsweise einzelne Pflanzen an besonders geschützten und bevorzugten Standorten aus.
Bei aller Begeisterung für das Exotische und Neue wollen wir aber keinesfalls unsere wohlschmeckenden, gesunden und vitaminreichen heimischen Obstarten vernachlässigen. Robuste Sorten von Kern-, Stein-, und Beerenobst sind und bleiben der Standard im Garten. Dazu kommt noch das breite und wenig anspruchslose Sortiment an Wildobst von A wie Aronia melanocarpa (Schwarze Apfelbeere) bis Z wie Zier- oder Scheinquitte (Chaenomeles) mit einzigartigem Blüten- und Fruchtschmuck und unendlichen verwertungsmöglichkeiten.

Wer hier die Abwechslung sucht, der kann es z. B. mit den aromatischen weißen Johannisbeeren (z. B. `Primus`), gelben Himbeeren (z. B. `Fallgold`) oder Jostabeeren versuchen. Farbe bekennen kann man auch mit rotfleischigen Apfelsorten (z. B. `Pomfital`) oder anderen Baumformen, wie z. B. den Säulenbäumen (auch CATS =Columnar rapple tree genannt). Mittlerweile bietet viele Versandbaumschulen auch sog. „Zwergformen“ bei Steinobst an. Auch hier lautet die Empfehlung: erst einmal im Kleinen ausprobieren, ob wirklich alle Versprechen eingehalten werden. Nicht selten mutiert der eine oder andere „Zwerg“ zum Riesen oder hat sonstige gravierende Nachteile (z. B. Anfälligkeit) und die Steinobstsäule wird zum breitkronigen Baum!

Was tun bei zu starkem Wachstum?

Viele Gartenfreunde kennen das Problem: da kauft man sich einen schönen Obstbaum auf schwachwachsender Unterlage, und nach einigen Jahren wird das Bäumchen immer größer. Kommt dann noch ein guter Boden oder eine zu hohe Düngung dazu, dann ist ein zu starkes Wachstum oft die Folge. Was tun in so einem Fall, wenn Bäume hauptsächlich Triebe, aber nur wenig Früchte produzieren? Hier gibt es 2 Möglichkeiten:

  1. Sommerschnitt statt Winterschnitt, denn ein Schnitt in der Vegetation bremst das Triebwachstum deutlich und der Baum kommt wieder ins Gleichgewicht. Bei Bedarf kann man das so lange praktizieren, bis der Baum ruhiger wird.
  2. Wurzelschnitt. Man kann das Übel im wahrsten Sinne auch direkt an der Wurzel packen! Dazu sticht man mit einem Spaten einige Wurzeln des Baumes ab. Am Besten macht man das jetzt im März, bevor der Baum die in der Wurzel gelagerten Reservestoffe zum Austrieb aktiviert. Die Rechnung ist ganz einfach: weniger Wurzeln = schwächerer Austrieb! Bei Apfelbäumen auf M9 kann man dabei ruhig 20 – 30 cm an den Stamm gehen. Tipp: Stechen Sie bei starkwachsenden Bäumen an einer Stelle ab und schauen Sie, was passiert. Wenn nötig, kann diese Maßnahme dann im nächsten Jahr gegebenenfalls auch etwas stärker wiederholt werden.

Düngung

Bei Bedarf kann Ende des Monats auch eine Düngung im Obstgarten ausgebracht werden. Dieser sollte vorher aber genau überprüft werden, am Besten im Rahmen einer Bodenprobe. Erfahrungsgemäß sind die meisten Gartenböden in Deutschland recht hoch mit Kalium und vor allem Phosphor versorgt, so dass hier manchmal über Jahre kein Düngebedarf besteht. Anders sieht es aus bei Magnesium, welches im Boden besser beweglich ist und gerade in leichteren Böden der Auswaschung unterliegt.

Steht gereifter, eigener Kompost zur Verfügung, so kann man jetzt bei Bedarf etwa 3 l/qm ausbringen. Falls Sie glauben, das sei zu wenig, betrachten Sie die Untersuchungen der Fachhochschule Weihenstephan. Hier wurde festgestellt, dass 3l/qm eines durchschnittlichen Kompostes vergleichbar ist einer Volldüngergabe von 100 g/qm!

Arbeiten im März

  • Jetzt zu Beginn der Saison sollten Sie auch die Nützlinge denken, die einen wichtigen Beitrag zur biologischen Bekämpfung von Schädlingen an unseren Gärten leisten. Deshalb sollten Vogel-Nistkästen gereinigt und bei Bedarf zusätzliche aufgehängt werden. Der Fachhandel hat verschiedene Nisthilfen für heimische Singvögel im Angebot. Achten Sie hierbei auf die verschieden großen Fluglöcher und hängen Sie die Nistkästen mit der Öffnung immer entgegen der Wetterseite.
  • Falls noch nicht geschehen, Anfang März Kompost auf die Baumscheiben ausbringen und wenn möglich leicht einharken. Mit 3-4 Liter pro lfm bzw. qm ist der gesamte Nährstoffbedarf der Pflanzen abgedeckt. Darüber hinaus fördert der Kompost die Belebung des Bodens.
  • Die früh austreibenden Strauchbeeren sollten jetzt umgehend fertig geschnitten werden. Beim Kernobst sollten die Schnittmaßnahmen bis Monatsende zu Ende gebracht sein.
  • Bei günstiger Witterung sollten anfangs des Monats die letzten Pflanzen gesetzt werden. Achten Sie bei späten Pflanzungen auf einen etwas stärkeren Pflanzschnitt.
  • beim Pflanzen alle Etiketten entfernen, damit sie nicht einwachsen.
  • Alle Bäume direkt beim Pflanzen an einen Pfahl binden. Den Baum nicht zu fest anbinden (strangulieren), sondern locker mit einer liegenden Acht





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