Hecken richtig schneiden – aber wie?

Hecken sind dicht gepflanzte Gehölzreihen mit unterschiedlichen Aufgaben: gliederndes Gestaltungselement, lebender Zaun, Sichtschutz, Lebensraum für Vögel und andere Nützlinge.
Sie bestehen aus Laub-, Nadel- oder Obstgehölzen. Eine Hecke kann als Mischung unterschiedlicher Sträucher und Bäume oder einheitlich aus einer Strauchart gepflanzt werden.
Die naturnahe Hecke wächst – scheinbar- ungezügelt, die Formhecke wirkt kantig gestutzt wie eine Mauer, die Buchsbaumhecke um den Vorgarten ist 30 cm, die Thujahecke daneben 2 m hoch. Hecken sind sehr unterschiedlich!

Nicht alle Hecken werden gleich geschnitten!
Grundsätzlich ist zu unterscheiden zwischen der frei wachsenden Hecke und der Formschnitthecke. Bei der frei wachsenden Hecke, oft in Form einer Blütenhecke, erfolgt der Schnitt sehr zurückhaltend. Durch Herausnehmen einzelner Äste (alle 2-3 Jahre) erfolgt lediglich eine Verjüngung, je nach Gehölzart wird durch gezielten Schnitt die Blüte gefördert. Zum Einsatz kommen Ast- und Baumschere, bei stärkeren Ästen auch die Säge.
Anders sieht es bei der Formschnitthecke aus. Sie erfordern einen besonders intensiven Schnitt. Hier gilt die Regel: Je öfter der Schnitt, desto dichter die Hecke. Nach dem Schnitt treiben die Knospen am Ende des Triebes verstärkt aus. Diese Jungtriebe bilden dann dichte Büschel, die beim nächsten Rückschnitt wieder Büschel bilden. So entsteht nach und nach eine dichte "Wand". Das typische Schnittwerkzeug ist die Heckenschere. Formhecken, insbesondere wenn sie höher sind, sollten immer konisch (5 bis 10% Neigung), d.h. unten breiter als oben, aufgebaut sein. Eine 5%-ige Neigung ist bei einer 2 m hohen Hecke erreicht, wenn die Basis 1 m und die Krone 80 cm breit ist. Dies stellt sicher, dass auch der untere Teil der Hecke nicht zu stark beschattet wird und dadurch verkahlt. Nur bei Gehölzen mit geringem Lichtbedarf (z.B. Hainbuche) kann auch gerade geschnitten werden.

Wann und wie oft sollten Hecken geschnitten werden?

Hier sind verschiedene Aspekte zu berücksichtigen: zum einen soll die Hecke nach dem Schnitt rasch wieder attraktiv aussehen, zu andern sollen die Heckenbewohner, hier vor allem die Vögel, möglichst wenig gestört werden. Aus Gründen des Naturschutzes ist der günstigste Zeitpunkt für den Heckenschnitt Anfang bis Mitte März. Gerade für die naturnahe, freiwachsende Hecke ist ein Schnitt in der winterlichen Ruheperiode ideal, da man dann einen guten Überblick über das Astgerüst der Sträucher hat. Lediglich bei frühjahrsblühenden Gehölzen wartet man die Blüte ab.
Insbesondere starke Rückschnitte sollten in den Vorfrühling gelegt werden, da der Nestbau noch nicht begonnen hat. Der Laubaustrieb erfolgt wenig später, so dass sich die Hecke schnell begrünt. Die Nadelgehölze haben erst im Mai ihren Austrieb, weshalb sie am besten erst kurz vorher, also im April, geschnitten werden. Auch spätere Schnitttermine sind möglich. So können Laub abwerfende Hecken Ende Juni/Anfang Juli noch geschnitten werden, denn um den 24. Juni erfolgt ein zweiter Austrieb, der so genannte Johannistrieb. Ein weiterer Schnitt ist im August möglich, der nicht zu spät erfolgen sollte, damit die neuen Triebe ausreifen können. Auch für Nadelgehölze liegt ein weiterer Schnitttermin im Juli/August.
Sind Sommerschnitte nötig, sollte man vorab prüfen, ob Vögel in der Hecke brüten! Für die meisten Vögel ist die Brutzeit Ende Juli vorbei, bei einigen Vogelarten wie Grünfink, Hänfling, Gimpel dauert sie jedoch bis August.
Das Wesentliche kurz gefaßt:
· Ob Sommer- und/ oder Winterschnitt notwendig sind, hängt vom Einzelfall ab. Grundsätzlich gilt: Der Frühjahrsschnitt regt das Austreiben und Dichtwerden an, der Sommerschnitt hält die Hecke in Form.
· Die frei wachsende Hecke kommt mit einem Schnitt pro Jahr aus. Klappt es in einem Jahr nicht, ist es auch nicht schlimm: im nächsten Jahr wird dann etwas mehr geschnitten.
· Formhecken müssen in jedem Jahr geschnitten werden.
· Ein mehrmaliger Schnitt pro Jahr ist grundsätzlich nicht negativ für die Pflanze, in den meisten Fällen reicht jedoch ein Schnitt aus, manchmal sind zwei Schnitte notwendig. Dies hängt von der Wüchsigkeit der Hecke und den örtlichen Gegebenheiten ab.

Übersicht möglicher Schnitttermine
Winter FrühjahrSommer
(- Mitte März)AprilMaiJuniJuliAugustSeptember
Frühblühende Ziergehölze, z.B. Kirschlorbeer, Zierkirsche, -pflaume, -quitteX
(Nach
der
Blüte)
Immergrüne Heckenpflanzen, z.B. Eibe, Thuja, Liguster, BuxXXX
Laubabwerfende Gehölze, z.B. Berberitze, Buche, WeißdornXX
      X





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