Obstgarten im November

Im November kehrt so langsam etwas Ruhe ein im Garten, das Obst ist geerntet, und eigentlich könnte man sich etwas zurücklehnen. Ein guter Zeitpunkt, seine Bäume mal etwas genauer anzuschauen, denn sie geben uns viele Hinweises auf das, was kommen könnte, denn „Sitzt im November noch das Laub, wird der Winter hart, das glaub“.
Nicht selten findet man in solch klimatisch unregelmäßigen Jahren auch noch Blüten an den Obstbäumen, und das verheißt nach den alten Bauernregeln nichts Gutes: „Baumblüt` im November gar - noch nie ein gutes Zeichen war.“

Desweiteren ist jetzt die ideale Zeit zum aufräumen und „winterfest machen“!

Wie dem auch sei, der November ist – bei guten Wetter – ein wichtiger Pflanzmonat. Jetzt sind in den Baumschulen alle Gehölze wurzelnackt vorrätig, und man hat eine reichhaltige Auswahl.

Sortenwahl

Nicht nur bei Nutzpflanzen ist die Auswahl der Sorte wichtig, sondern auch bei Zierpflanzen. Standen früher Aussehen (Zierpflanzen), Duft (Rosen) oder Geschmack (Ausfärbung) an erster Stelle bei den Auswahlkriterien für neue Gartenpflanzen und Sorten, so hat sich die Wertigkeit stark verändert. Heute stehen an erster Stelle Kriterien wie hohe Widerstandskraft gegen Krankheiten und Schädlinge, Robustheit und geringe Anfälligkeit gegen Krankheiten und Schädlinge. Denn: Anfällige Sorten und schlechte Pflanzenqualitäten können nicht durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln kuriert werden.
Wer mehr Freude und weniger Aufwand haben will, stellt robuste, resistente, wenig anfällige und widerstandsfähige Sorten klar in den Vordergrund.

Denn durch die geschickte Sortenwahl kann der Bedarf an Pflanzenschutzmaßnahmen und -mitteln auf ein Minimum gesenkt werden. Auch für die Baumschulenhat das Vorteile, denn diese Sorten garantieren ein hohes Maß an Kundenzufriedenheit. Und dann kommt der – zufriedene - Kunde gern zurück und nicht die Ware!

Pflanzen, aber richtig

Bei gutem Wetter kann weiter gepflanzt werden. Für den Garten eignen sich insbesondere robuste, widerstandsfähige oder resistente Sorten. Fragen Sie in Ihrer Baumschule gezielt nach solchen Sorten. Am Besten lassen Sie den Pflanzschnitt (Krone + Wurzel) auch dort vom Fachmann erledigen. Vor dem Pflanzen stellt man die Bäume/Sträucher einen Tag vorher ins Wasser, das verbessert das Anwachsergebnis. Pflanzen Sie die Gehölze genau so tief ein, wie Sie in der Baumschule standen (Ausnahme: Johannisbeeren und Stachelbeeren, die pflanzt man tiefer), die Veredlungsstelle muss aber 20 cm über dem Boden sein. Wo Wühlmäuse ein Problem sind, sollte man direkt in spezielle Wühlmaus-Schutzkörbe aus Draht pflanzen. Eine gründliche Vermischung des Aushubes mit Pflanzerde oder reifem Kompost verbessert das Anwachsergebnis ebenfalls. Nach dem Pflanzen das Antreten nicht vergessen, damit die Wurzeln auch einen guten Bodenschluss haben. Oft liest man leider immer noch, dass man die Bäume nicht antreten soll, man könnte ja die zarten Wurzeln verletzen. In diesem Falle sei mir erlaubt, die Antwort darauf auf Bayrisch zu geben: „Schmarrn“. Denn viele Pflanzenausfälle resultieren auf einer fehlerhaften Pflanzung, wenn die Gehölze dann im Winter hochfrieren und im Frühjahr kümmern oder gar eingehen. Und zum Schluss: das wässern nicht vergessen.

Auf gute Pflanzqualität achten!


Achten Sie beim Baumkauf darauf, dass die Bäume frei sind von sichtbaren Krankheiten wie Obstbaumkrebs, Wurzelkropf und Schädlingen wie San-Jose-Schildlaus, Rote Spinne u. a.. Ebenso sollten sie keine gravierenden Rindenverletzungen z. B. durch Hagel oder mechanische Eingriffe aufweisen. Auf dem Etikett müssen der Sortenname, die verwendete Unterlage sowie der Virusstatus vermerkt sein. Für den Garten werden neben 1-jährigen Bäumen auch häufig 2-jährige angeboten, besonders bei Steinobst oder Birnen mit Zwischenveredlung. Gutes Pflanzmaterial bedeutet: mindestens 4-5 Seitentriebe in 70-100 cm Höhe (Spindelbusch) bzw. 1,80 cm Höhe (Hochstamm). Darüber hinaus sollte die Bewurzelung gut und kräftig ausgebildet sein und Veredlungsstelle mindestens 20 cm über dem Wurzelhals liegen. Noch eine Anmerkung zum Thema Pflanzschnitt: Wer sich nicht ganz sicher ist, sollte den Pflanzschnitt direkt beim Fachmann in der Baumschule oder im Gartencenter durchführen lassen. Dort wird zwar in der Regel kräftiger geschnitten, die Anwachsquote steigt dadurch aber deutlich!


Wer das besondere liebt: heimische Wildobstarten

Das Interesse für die robusten Wildobstarten im Garten ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Hierdurch kann man 2 Fliegen mit einer Klappe schlagen: Sie bieten neben ihrem Schmuck- und Zierwert wert durch Blätter, Blüten und Früchten gleichzeitig auch die Möglichkeit zur Nutzung der Früchte als Frisch- oder Verwertungsobst. Darüber hinaus kann man sie in der Form von Hecken, Schutzstreifen, Böschungsbegrünung, Vogelschutzgehölzen und Bienenweiden vielfältig in die Gartengestaltung einbeziehen.
Die Liste der Wildgehölze ist lang und vielfältig. Doch vor dem Pflanzen muss der Standraum- bzw. Platzbedarf geklärt werden, damit es keine bösen Überraschungen gibt. Wildobstarten sind nicht auf schwachwachsende Unterlagen veredelt und wachsen strauch- oder baumartig, letztere können durchaus eine Höhe von 15-20 m erreichen! Neben dem Zier- und Nutzwert haben alle Wildobstarten einen hohen ökologischen Wert, da sie der heimischen Tierwelt ein breites und abwechslungsreiches Nahrungsangebot bieten.

Beispiele für Wildobstarten (Auswahl)
Strauch, 1- 2 m Höhe
Großstrauch, bis 6 m Höhe
Baum, 10-20 m Höhe
Geringer Standraumbedarf (1-5 m2)Mittlerer Standraumbedarf
(5 - 20 m2)
Hoher Standraumbedarf
(30-50 m2)
Scheinquitte (Chaenomeles japonica)
Apfelbeere (Aronia melanocarpa)
Arktische Brombeere
Fruchtrose (Rosa spec.)
Feige, Felsenbirne,
Holunder (Sambucus nigra), Mispel,
Sanddorn (Hippophae rhamnoides), Schlehe, Weißdorn, Kirschpflaume (Myrobolane), Wilde Heckenrose
Kornelkirsche (Cornus mas)
Mehlbeere,
Eberesche (Sorbus aucuparia), Esskastanie, Elsbeere, Mandel, Maulbeere, Speierling

Einige besondere Obstarten können aber erst nach Frosteinwirkung geerntet werden wie z. B. die Mispel (Mespilus germanica), die erst nach Minustemperaturen genießbar wird. Das gleiche gilt für die Schlehen (Prunus spinosa). Wer nicht bis zu den ersten Frösten warten will, kann auch die geernteten Früchte für ein paar Stunden in die Kühltruhe geben, dies führt auch zum Abbau der Gerbstoffe. Bis Anfang November können auch noch Preiselbeeren (Vaccinium vitis-idea) geerntet werden. Nach der Haupternte im Juli kann man sich nun an der zweiten Ernte erfreuen. Die roten Beeren lassen sich hervorragend zu Marmelade und Kompott verarbeiten sowie als Beigabe zu Wildgerichten.



Vitamin C-Bombe, Farbstoff oder Saft – Vieles ist möglich!

Die Verwertungsmöglichkeiten bei den Wildobstraten sind vielfältig und umfangreich. Viele Früchte kann man direkt frisch genießen, wie beispielsweise Berberitze, Kirschpflaumen, Kornelkirschen, Mispeln (nur nach vorhergehendem Frost) sowie die schwarze Maulbeere. Ihr ganzes Potential entfalten sie jedoch nach einer Verarbeitung zu Saft, Marmelade oder Gelee, Trocknung oder Spirituosen. Sehr gut eignen sich viele Früchte auch als Beigaben zu Müsli oder Joghurt. Als echte „Vitamin C-Bomben“ kann man Sanddorn und die wilde Heckenrose bezeichnen: Die Früchte enthalten mitunter bis zu 900 mg Vitamin C/100g! Das ist gewaltig, bedenkt man dass Apfelsinen und Orangen, für viele der Inbegriff hoher Vitamin C-Gehalte, weit weniger als ein 1/10 diese Wertes erreichen! Eine Neuzüchtung aus Dresden, die `Pillnitzer Vitamin-Rose PiRo3` enthält sogar 1100 mg Vitamin /100 g! Ganz andere Vorzüge hat die Esskastanie: hier stehen weniger die Vitamine im Vordergrund als Kohlehydrate. Vor der Einführung der Kartoffel waren die Esskastanien, in der Pfalz auch „Käschde“ genannt, ein wichtiger Stärkelieferant. Wer also genügend Platz im Garten hat und auf der Suche ist nach wirkungsvollen und imposanten Bäumen, sollte sich Esskastanie, Maulbeere, Speierling und Co ruhig einmal näher ansehen

Obstvielfalt im Garten

Pflaumen, Zwetschen und Co

Pflaumen, Zwetschen, Mirabellen und Reineclauden erweitern die Palette des Pflanzangebotes durch geeignete Sorten. In Bezug auf Geschmack, Aussehen, Inhaltsstoffen und Verwendung haben sie viel gemeinsam. Aus der Gruppe der Hauspflaume (Prunus domestica) lassen sich in Mitteleuropa die 4 wichtigsten Unterarten ableiten. Als Vorfahren stehen noch die Schlehe (Prunus spinosa) und die Kirschpflaume (Prunus cerasifera) auf der Ahnenliste. Am Besten lassen sich die einzelnen Vertreter nach der Form und Farbe ihrer Früchte und den Eigenschaften des Fruchtfleisches einteilen.


Die Gruppe der Pflaumen (Prunus domestica):
Bezeichnung
Aussehen, Form
Sortenbeispiele
Echte PflaumeRunde Frucht, weiches, saftiges Fruchtfleisch`Ontario-Pflaume`, `Gräfin Cosel`, `Zibarte`
Zwetsche
(Zwetschge)
länglich ovale Fruchtform, festes, grün-gelbes Fruchtfleisch, meist blaue Farbe, natürliche Beduftung, gut steinlöslich.`Kandeler Zuckerzwetsche`, 'Königsbacher Frühzwetschge'
etc.
Reneklode
(Reineclaude)
Rundliche, grün-gelbe Frucht, schlecht steinlösend`Graf Althanns Reneclaude`, `Große Grüne Reineclaude`, `Qullins Reineclaude`.
MirabelleKlein, rund, gelb-rot, süß-aromatisches Fruchtfleisch`Metzer Mirabelle`, `Nancy Mirabelle`, `Mirabelle von Flotow`
Auch bei den Süßkirschen gibt es interessante Sorten, die sehr gut geeignet sind, wie z. B.: `Lambsheimer Kurzstiel`, `Meckenheimer Frühe Rote!` oder die großkronigen Vogelkirsch-Sämlinge. Bei der Sortenauswahl sollten frühe-mittelfrühe Sorten bevorzugt werden, da sie aufgrund ihrer frühen Entwicklung und Reife meist nicht von der Kirschfruchtfliege befallen werden.


Weitere heimische Pflanzen

Die folgenden Arten sind in Weinbauklimaten und angrenzenden Regionen schon lange beheimatet und gehören dort zu den landschaftsprägenden Bäumen. Sie zeichnen sich aus durch ihren Blüten- und Fruchtschmuck, sind recht robust, anspruchslos und pflegeleicht. So bieten essbare Mandeln nicht nur wohlschmeckende und aromatische Früchte sondern verzaubern den Garten mit einer frühen und üppigen Blütenpracht. Der intensive Duft der Kastanienblüte ist unvergleichlich, die Ernte der Früchte geht einher mit der Weinlese. Die Mispel bildet imposante, große Sträucher mit herrlichen, creme-weissen Blüten und dekorativen Früchten.
In Rheinland-Pfalz stehen viele Walnussbäume, teilweise als imposante Solitärbäume in der freien Landschaft, seltener in Streuobstwiesen. Oft sind diese wunderschönen Baumdenkmäler mit Hinweistafeln versehen mit der Aufschrift „schützenswertes Baumdenkmal“. Doch was nutzt das, wenn der nächste Sturm kommt und nicht lesen kann? Sinnvoller wäre es, für jeden dieser Veteranen, mit dessen Abgang in den nächsten Jahren zu rechnen ist, mindestens 3 neue zu pflanzen!
Ähnliches gilt für den Speierling, in der Literatur beschrieben als einer der schönsten Laubbäume in Deutschland. In der Region Neustadt/Meckenhein standen einst dutzende dieser einzigartigen Gehölze – heute kann man die wenigen, hochbetagten und sturmgefährdeten Bäume an wenigen Händen abzählen. Wenn wir nicht zulassen wollen, dass dieser einzigartige Baum ganz aus der Kulturlandschaft verschwindet, sollte er unbedingt bevorzugt angepflanzt werden.

Weitere, für Streuobstwiesen geeignete Bäume und Sträucher
ObstartGeeignete Sorten (Auswahl)Vorteile
Walnuss (Juglans regia)Moselaner Walnuss (Nr. 120)
Weinheimer Walnuss (Nr. 139)
Geisenheimer Walnuss (Nr. 26)
Rote Donaunuss (Nr. 1239)
- Landschaftsprägender Baum der Pfalz und anderer Weinbaugebiete
- Robust, anspruchslos
- Kein Schnittbedarf
Speierling (Sorbus domestica)'Sossenheimer Riese' bekannteste Sorte im Handel - gilt als einer der schönsten, aber auch seltensten Bäume in Deutschland.
- Nahe Verwandte: Vogelbeere (Sorbus aucuparia), Elsbeere (Sorbus torminalis) Mehlbeere (Sorbus aria) und der Zwergmispel (Sorbus chamaemespilus)
Essbare Mandel (Prunus dulcis)`Große Prinzessmandel`,
`Dürkheimer Krachmandel`
`Ferragnes`, `Ferraduell`, `Ferrastar` (F)
- früher Blütenschmuck
- essbare, aromatische Früchte
- anspruchslos
- Trockenheitsresistent
- Kleinkronig
- Französische Sorten moniliaresistent, spätblühend
Esskastanien`Marigoule`, `Marsol` (F) (Resistenz gegen Kastanienrindenkrebs),
Ecker (A), Tisenser`(I)
- schwachsauere Böden
- Ansprüche vgl. Äpfeln
- Spätblühend (mit Reben)
- Meist selbstunfruchtbar, deshalb mehrere Sorten in Umgebung nötig
Mispel (Mespilus germanica)Großfruchtige Sorten sind 'Nottingham', 'Holländische Großfrüchtige', 'Macrocarpa', 'Bredase Reus', 'Kurpfälzer Mispel' (Früchte ohne Frost genießbar), Wildform- Dekorativer Strauch
- robust
- Selbstfruchtbar
- cremeweiße Blüten
- attraktive, gold-braune Früchte mit typischer Kelchform.
- nach Frosteinwirkung genießbar.
Schwarzer Holunder (Sambucus nigra)'Haschberg' , 'Mammut'
'Samyl', 'Sampo', 'Samdal' (frühreifend im August), Wildform
- Nährstoff- und Feuchtigkeitsliebend
- Üppiger Blütenschmuck
Kornelkirsche (Cornus mas)'Jolico' , 'Kasanlaker' , 'Schumener'. 'Titus', 'Devin', 'Schönbrunner Gourmetdirndl', Wildform - Robust und anspruchslos
- Attraktive Bienenweide, Zierwert und Fruchtgehölz
Weiße Maulbeere (Morus alba)z. B. ´Laciniata', Wildform- gutes Vogelnist- und -nährgehölz






werner.ollig@dlr.rlp.de     www.Gartenakademie.rlp.de drucken