Thripse im Steinobst – ein Problem? (08/07)

Vortrag anlässlich des 32. Bundessteinobstseminars vom 28. - 30.11.2006 in Ahrweiler

Dr. Erika Urban, ALF Süd, D-06114 Halle

Seit 5 Jahren treten in den Obstanlagen von Sachsen-Anhalt verstärkt um den Süßen See Thripse auf. Zu Beginn der Vegetation wurden vor allem bei Steinobst enorm viele Thripse beobachtet.
Bereits bei Knospenaufbruch, in den noch geschlossenen Blüten, sind Thripse zu finden.
Während der Fruchtentwicklung wurden Fruchtdeformationen und Verfärbungen an den Früchten festgestellt, die nicht zu erklären waren.
Ein Zusammenhang zum Auftreten von Thripsen wurde nicht in Erwägung gezogen. Erst genauere Untersuchungen der Blüten und des Fruchtgewebes gaben Aufschluss über die Ursachen dieser Schädigungen.

Vorkommen von Thripsen:
Getreide, Reis, Baumwolle, Rüben, Kartoffeln, Gemüse, Weinstöcke, Obstgehölze
An den genannten Kulturen treten Schäden an Blättern, Blüten und Früchten auf.
Verursacht werden diese Schäden, sowohl durch ihre stechend-saugende Mundwerkzeuge, als auch durch den sägeartigen Legeapparat.
So können durch Einstichstellen der Mundwerkzeuge und durch Eiablagen teilweise Zellen der Wirtspflanzen zerstört werden.
Beim Saugen werden Speichelsekrete während der Aufnahme des Pflanzensaftes abgegeben, die die hormon-physiologische Leistung der Pflanze beeinflussen und zu Wuchsdeformationen der Blätter, Blüten und Früchte führen können.
Zum Zeitpunkt der Blüte der Obstgehölze, besiedeln die Thripse noch vor der Vollblüte die Knospen und legen ihre Eier in den Griffel ab.
Da in solchen Beständen viele Blüten abgestoßen wurden, wird vermutet, dass bei einer starken Eiablage in den Griffel eine Befruchtung nicht stattfinden, und es zum verstärkten Blütenfall kommen kann.
Eine Ablage der Eier in das junge Fruchtgewebe hinterlässt, nach dem Schlupf der Larven, offene Verletzungen, die später vernarben und berostungsartige Stellen hinterlassen. Ähnliche Symptome entstehen durch das Saugen der Thripslarven. Durch die Kotablagerung der Larven am jungen Fruchtgewebe, kann durch feuchte Witterung Fäulnis entstehen.
Erst die Kennzeichnung thripsbefallener Blüten und Früchte brachte zur Erntezeit diesen Kenntnisstand.
Starkes Auftreten von Thripsen, vor allem an Pflaumen und Süßkirschen, führte 2005 und 2006 zu deformierten und geschädigten Früchten.

Entwicklungszyklus der Thripse:
Wie aus der Darstellung zu entnehmen ist, gibt es 4 Generationen pro Jahr.
Da sich die einzelnen Entwicklungsstadien überlappen, sind ständig erwachsene Thripse und deren Larven auf den Pflanzenteilen vorzufinden.
In unseren Steinobstanlagen ist vorwiegend eine Thripsart vertreten:
Taeniothrips inconsequens (Birnenthrips) – auf Pflaume, Süßkirsche, Aprikose

Thripse ernähren sich von Pilzhyphen und Sporen, saugen an jungen, frischen Blättern und Früchten, besiedeln Blüten und fressen Pollen.
Auf Grund des begrenzten Auftretens der Blüten, wird der Lebenszyklus so abgestimmt, dass die Eiablage so zeitig erfolgt, dass eine optimale Weiterentwicklung möglich ist.
Thripse wechseln ihren Standort und können somit Pilzsporen, Pilzhyphen und Bakterien verbreiten.
Es wurde nachgewiesen, dass so Monilia fructicola, Pseudomonas und Feuerbrand über die Blüte in das Pflanzengewebe eingedrungen sind und zum Absterben der Pflanzen führten (Moritz 2006).
Eine weitere Infektionsquelle ist der Thripskot. Es wurden verschiedene Keime, wie Fusarium und Cladosporium isoliert.
Thripse sind durch ihre Lebensweise auch gute Bestäuber. So konnte durch Untersuchungen festgestellt werden, dass Taeniothrips inconsequens, insbesondere bei Pflaumen, zur besseren Bestäubung beitragen (Lewis 1973, Rao, 1961).
Thripse nutzen junge, noch geschlossene Blütenknospen zur Eiablage. Dazu klettern sie zum Blütengrund und passieren dabei die Staubblütter. Pollenkörper bleiben an den Borsten des Körpers haften. Da Pollen und Blütenblätter zur Nahrungsquelle gehören und zahlreiche Blüten besucht werden, erfolgt dadurch die Bestäubung.


Verbreitung:
Durch Exporte und Handel können die verschiedenen Thripsarten schnell verbreitet werden. Pflanzenteile mit Eiern, Larven sowie adulten Tieren behaftet, gelangen auf diesem Weg in die Exportländer.
Durch Anpassung an die Umgebung können sich so die Thripse weiter vermehren.


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