Vorgaben zur ökologischen Legehennenhaltung - Auszug aus den Verordnungen (EG) Nr. 834/2007 und 889/2008 -

<h1>Futter</h1>
  • Die Tiere müssen mit ökologischen Futtermitteln gefüttert werden. Maximal 30 % der Trockenmasse darf Umstellungsfutter sein, 100 % bei Umstellungsfutter aus eigener Erzeugung.
  • Mindestens 20 % der Futtermittel aus der Betriebseinheit selbst stammen oder – falls dies nicht möglich ist – in derselben Region in Zusammenarbeit mit anderen ökologischen/biologischen Betrieben oder Futtermittelunternehmern erzeugt werden.
  • Der Tagesration von Geflügel ist frisches, getrocknetes oder siliertes Raufutter beizugeben.

Auch Geflügel muss Raufutter geboten werden! Es ist zudem hervorragendes Beschäftigungsmaterial.
  • Konventionelle Futtermittel können bis zum 31.12.2017 mit 5 % der Trockenmasse eingesetzt werden, soweit sie nicht in ökologischer Herkunft zu bekommen sind. Als nicht aus ökologischer Erzeugung erhältlich gelten z.Z. nur Maiskleber und Kartoffeleiweiß.
  • Konventionelle Futterzusätze
    • zugelassen sind: Mineralstoffe gemäß Anhang V, Spurenelemente, naturidentische synthetische Vitamine, Bierhefe, Enzyme und Mikroorganismen gemäß Anhang VI
    • nicht zugelassen sind: Antibiotika, Kokzidiostatika und sonstige Leistungsförderer, synthetische Aminosäuren
  • Futtermittel müssen gentechnikfrei sein.

<h1>Stall</h1>

<h2>Mindestmaße</h2>

In einem Stall dürfen nach EU-Öko-Verordnungen maximal 3.000 Legehennen untergebracht sein.

  • Maximale Belegdichte: 6 Hennen/m² nutzbare Stallfläche
  • 18 cm Sitzstange je Henne
  • 7 Hennen je Einzelnest bzw. 120 cm² je Tier bei Gruppennestern

Ein Stall mit 1.200 Hennen muss folglich 200 m² nutzbare Stallfläche aufweisen. Die Länge der Sitzstangen muss insgesamt 216 m betragen. Die Nestfläche der Gruppennester zusammen 14,4 m².
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Plastikroste für Kotgruben haben sich durchgesetzt - Sie bieten den Tieren Halt und sind leicht zu reinigen. Diese Roste werden übrigens auch in Mobilställen verwendet.


Die Bauweise muss allen Tieren leichten Zugang zum Auslaufbereich ermöglichen. Ein- und Ausflugklappen sind in einer den Tieren angemessenen Größe vorzusehen. Ihre Länge soll mindestens 4m pro 100m² Stallfläche betragen.

<h2>Wintergarten/Außenklimabereich (AKB)>/h2>

Gemäß der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung müssen stationäre Haltungseinrichtungen, die den Tieren Zugang zu Freigelände gewähren und seit dem 04.08.2006 in Betrieb genommen wurden über einen Außenklimabereich (AKB) verfügen. Synonym werden hierfür auch die Begriffe Kaltscharrraum oder Wintergarten verwendet. Da die ökologische Geflügelhaltung zwingend den Zugang zu Freigelände vorschreibt, ist immer auch ein AKB notwendig.

Die EU-Öko-Verordnungen sehen hier keine weiteren Regelungen vor. Nach den Bioland-Richtlinien sind im überdachten Außenklimabereich maximal 12 Hennen pro m² zulässig. Bei integriertem Außenklimabereich können maximal 8 Legehennen je m² begehbarer Fläche im Stallinnenbereich (Warmbereich) gehalten werden.

Die EU-Öko-Verordnungen weisen keine expliziten Angaben aus für Mindesttrog-und Tränkelängen je Huhn. Die Vorgaben ergeben sich aus der TierSchNutztV.

  • Es gelten für Tränken:
      • Rinnentränken: 2,5 cm/Henne
      • Rundtränken: 1,0 cm/Henne
      • Nippel- oder Bechertränken: für die ersten 10 Hennen 2 Tränkestellen; für jeweils weitere 10 Hennen jeweils 1 (z.B.: 100 Hennen: 10 Hennen = 2 + 9 x 1 = 11 Nippel/Becher)
  • Für Futtertröge:
      • Längströge: 10 cm /Henne
      • Rundtröge: 4 cm/Henne

Nippel-und Bechertränken haben sich in der Praxis durchgesetzt. Beachten Sie die notwendige Mindestzahl!

Zwischen ökologischer und konventioneller Haltung besteht in der Technik wie auch bei der Beleuchtung, den Nestern oder der sonstigen Stalleinrichtung kein Unterschied.

Bei den Ställen muss reichlich natürliche Belüftung und ausreichend Tageslicht gewährleistet sein.
Bei Verwendung künstlicher Beleuchtung ist nach Tierschutz-Nutztierhaltungs-Verordnung (TschNutztV) eine Nachtruhe (Dunkelphase) von mindestens acht Stunden ununterbrochen zu gewährleisten (Beleuchtungsstärke weniger als 0,5 Lux).
Im Umkehrschluss darf die Hellphase maximal 16 Stunden betragen.



Zirkulation, Staubgehalt, Temperatur, relative Feuchte und Gaskonzentration der Luft müssen in einem Bereich gehalten werden, der für die Tiere unschädlich ist.

Für Ammoniak gilt dass 10 Kubikzentimeter je Kubikmeter Luft nicht überschritten werden sollen und 20 Kubikzentimeter je Kubikmeter nicht überschritten werden dürfen.
Dies wird in der Regel über eine angepasste Luftaustauschrate erreicht. Die Lösungen können unterschiedlich sein. Bei Festställen werden meist elektrische Lüfter eingesetzt, die einen Unterdruck erzeugen so dass frische Luft nachströmen muss um diesen auszugleichen. Bei Mobilställen wird häufig der Kamineffekt genutzt, z.B. in Form einer Firstöffnung (Lüftungsklappen). Dabei steigt die warme Stallluft auf und entweicht durch die Lüftungsklappen. Auch hier muss Frischluft nachströmen, um einen Druckausgleich herzustellen.
Die Lüfter-/Klappensteuerung geschieht häufig automatisch über Temperatursensoren.

<h1>Ausläufe</h1>

<h2>Wann muss Auslauf angebotn werden=></h2>

Den Hennen ist mindestens für 1/3 der Lebensdauer Zugang zu Freigelände (Grünauslauf) zu gewähren. Auch wenn dieser Wert erreicht ist, darf den Tieren der Zugang zu Freigelände nicht verwehrt werden!

Für den täglichen Auslauf gilt, dass dieser ab 10 Uhr bis zum Einbruch der Dämmerung gewährt werden muss

Ausnahmen für Junghennen:

    • ab Legebeginn 7 Tage ohne jeden Grünauslauf
    • danach bis zum Beginn der Legereife tägl. ab 13 Uhr
    • die Legereife ist definiert mit 50 % Legeleistung
Der tägliche Auslauf ist in Form eines Auslaufjournals zu dokumentieren. Dieses Journal wird bei Kontrollen von den Öko-Kontrollstellen eingesehen. Auslauf darf nur in begründeten Ausnahmen wie extremer Witterung (z.B. Starkregen) verwehrt werden. Diese Ausnahmen sind mit Begründung ebenfalls im Auslaufjournal zu dokumentieren.

<h2>Wie muss der Auslauf gestaltet sein?</h2>

Die vorgeschriebene Fläche für Grünauslauf beträgt jederzeit mind. 4 m² je Henne. Der Auslauf muss überwiegend aus einer Vegetationsdecke bestehen und er muss strukturiert sein. Natürliche Strukturelemente können hohe Gräser (z.B. Mais), Hecken, Sträucher oder Bäume sein. Sie bieten den Hennen Deckung. Durch eine gleichmäßige Verteilung der Elemente soll der gesamte Auslauf von den Tieren genutzt werden. Alternativ zu natürlichen Elementen können auch künstliche Elemente wie alte Anhänger oder Tarnnetze Deckung bieten.

Neben den Strukturelementen müssen ausreichend Fütterungs- und Tränkeeinrichtungen den Tieren zur Verfügung stehen.



Auch ein ausrangierter Anhänger kann Deckung bieten!

Die Entfernung der Auslauffläche darf einen Radius von 150 m ab der nächstgelegenen Auslauföffnung des Stalles nicht überschreiten; ein Radius bis zu 350 m ist jedoch zulässig, wenn über die gesamte Auslauffläche Unterstände und Tränken in ausreichender Zahl und gleichmäßig verteilt, das heißt mindestens vier Unterstände je Hektar vorhanden sind (Regelungen analog zur VO (EG) 2295/2003)

Vor Neubelegung ist in den Auslaufflächen eine entsprechende Ruhezeit notwendig, in der sich die Vegetation erholen kann.

Bei festen Ställen ist der Bereich direkt am Stall besonders stark belastet durch die Nutzung. Hunderte Hühnerfüße täglich zertrampeln den Boden, der Koteintrag ist aus hygienischer Sicht problematisch. Daher gilt die Empfehlung, mit Wechselausläufen zu arbeiten. Für den Bereich direkt am Stall bietet sich eine Auflage mit Hackspänen oder Rindenkompost an, welche regelmäßig ausgetauscht werden kann.

<h1>Tierbesatz</h1>

Die höchstzulässige Anzahl von Legehennen je ha LN beträgt 230 Tiere. Nach der EU-Verordnung entspricht diese Tierzahl einer Stickstoffmenge von 170 kg/ha/Jahr.

Bei externer Düngerzufuhr muss die eingeführte Nährstoffmenge auf den Tierbesatz angerechnet werden.

Eine vertragliche Zusammenarbeit mit anderen ökologischen Betrieben zum Ausgleich ist möglich. Der dazu notwendige Kooperationsvertrag muss in schriftlicher Form geschlossen werden.

Bitte beachten Sie: Die ökologischen Anbauverbände können einen niedrigeren Höchstbesatz vorsehen. Bioland z.B. erlaubt maximal 140 Legehennen je ha LN.

<h1>Zucht/Herkunft der Tiere</h1>

  • Genmanipulation ist verboten.
  • Stehen keine ökologisch aufgezogenen Tiere zur Verfügung, dürfen zum Bestandsaufbau oder zur Bestandserneuerung Tiere konventioneller Herkunft verwendet werden, sofern diese weniger als drei Tage alt sind. Diese Regelung gilt vorbehaltlich der Zustimmung der Kontrollbehörde. Da aber ausreichend ökologisch aufgezogene Junghennen zur Verfügung stehen, wird derzeit keine Ausnahmegenehmigung erteilt.

©BLE, Bonn/Foto: Thomas Stephan


<h1>Tiergesundheit</h1>

Vorbeugende Maßnahmen sowie Naturheilverfahren und Homöopathie haben Vorrang, sofern sie tatsächlich wirksam sind.

Für chemisch-synthetische allopathische Medikamente, Hormone und Antibiotika gilt:

      • im Notfall möglich
      • nicht vorbeugend, nicht als Leistungsförderer
      • doppelte Wartezeiten; wenn keine Wartezeiten vorgegeben, dann 48 Stunden Wartezeit
      • tierische Produkte sind bei mehr als 3 Behandlungen ( = Behandlungsgängen) je Tier und Jahr erst nach Durchlaufen der Umstellungsfristen als ökologische Ware vermarktbar. Dies gilt nicht bei Impfungen und Parasitenbehandlung. Bei Tieren, die nicht älter als ein Jahr werden, ist maximal 1 Behandlung ohne nachfolgende Wiederumstellung erlaubt.
Impfungen sind nur zulässig, wenn Krankheiten auf dem Betrieb als Problem bekannt oder zu erwarten sind und wo sich Krankheiten nicht durch andere Managementmaßnahmen verhindern lassen. Gesetzlich vorgeschriebene Impfungen sind erlaubt.

Geflügelställe müssen zwischen den Belegungen geräumt werden. Die Ställe und Einrichtungen sind während dieser Zeit zu reinigen und zu desinfizieren. Ferner muss für die Ausläufe nach jeder Belegung eine Ruhezeit eingelegt werden (ca. 3 Wochen), damit die Vegetation nachwachsen kann. Der Unternehmer führt Buch über die Einhaltung dieser Vorschriften.

Zugelassene Reinigungs- und Desinfektionsmittel:
· Kali- und Natronseifen· Natürliche Pflanzenessenzen
· Wasser und Dampf· Zitronen-, Peressig-, Ameisen-, Milch-,
Oxal-, Essigsäure
· Kalkmilch· Alkohol
· Kalk· Formaldehyd
· Branntkalk· Natriumkarbonat
· Wasserstoffperoxid

Zur Schädlingsbekämpfung in Stallungen und Haltungseinrichtungen sind zugelassen:

Die in Anhang II der EU-VO aufgeführten Mittel (Pflanzenschutzmittel) und zusätzlich alle Rodentizide (Mittel zur Nagetierbekämpfung), Letztere jedoch nur in Fallen.

<h1>Umgang mit den Tieren</h1>

Eingriffe wie das Stutzen der Schnäbel dürfen nicht durchgeführt werden.



Download: Zusammenfassung Öko-Verordnungen Legehennen.pdfZusammenfassung Öko-Verordnungen Legehennen.pdf



Monika.Wallhaeuser@dlr.rlp.de     www.Oekolandbau.rlp.de drucken nach oben