Grünland mit Harnstoff düngen?

Stand: 01/14/2009
Autor: Stefan Ernert, DLR Westerwald-Osteifel


Während die Preise für KAS mehr oder weniger auf hohem Niveau verharren, haben die Notierungen für Harnstoff deutlich nachgegeben. Unter diesen Konstellationen ist in der kommenden Düngeperiode von einer vermehrten Stickstoffdüngung mit Harnstoff auszugehen.
Eine Düngung mit Harnstoff von Acker- und Grünland ist gleichermaßen möglich. Speziell auf Grünland besteht dabei mangels Einarbeitung ein höheres Risiko von Ammoniakverlusten, da im ersten Umwandlungsschritt gasförmiges und leichtflüchtiges Ammoniak sowie Kohlensäure aus dem Amidstickstoff des Harnstoffs gebildet werden. In der zweiten Phase wird Ammoniak (NH3) dann zu Ammonium (NH4) umgewandelt. Werden die Regeln für die Gülledüngung (bedecktes Wetter, kühle Temperaturen, Ausbringung kurz vor Regen) auch bei der Harnstoffausbringung beachtet, lassen sich die Stickstoffverluste entsprechend niedrig halten.
Da diese Verlust mindernden Bedingungen im Allgemeinen am ehesten im Frühjahr gegeben sind, sollte Harnstoff schwerpunktmäßig zum ersten Schnitt ausgebracht werden. Die Ausbringung mit dem „normalen“ Düngerstreuer kann sich dabei im Vergleich zu Kalkammonsalpeter durch die feinere Körnung und das geringere spezifische Gewicht des Harnstoffs eventuell schwieriger gestalten. Alternativ oder auch zur Umgehung dieser möglichen Schwierigkeiten kann Harnstoff auch aufgelöst in einer Konzentration von maximal 1% über die Gülle verteilt werden. Bei insgesamt 80-100 kg N/ ha zum ersten Schnitt und ausgehend von 2 kg direkt pflanzenverfügbarem Ammonium-N je Kubikmeter Gülle könnte eine 20 m3 /ha–Gabe dann noch mit 90 bis 130 kg Harnstoff angereichert werden.





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