Was kostet die eigene Maissilage?

Stand: 07/26/2011
Autor: Detlef Groß, DLR Westerwald-Osteifel

Die Erfassung der Erzeugungskosten von Grundfutter geschieht in den meisten Betrieben häufig nur ungenau oder muss geschätzt werden. Zum einen müssen die Kosten der eingesetzten eigenen Maschinen – Abschreibung, Zinsansatz, Versicherungen, Reparaturen, Treib- und Schmierstoffe – zutreffend auf die Futterflächen und andere Flächen (z.B. Getreide) aufgeteilt werden, ebenso wird der Umfang der eingesetzten eigenen Arbeitsstunden für die Grundfuttererzeugung häufig nicht exakt erfasst. Hinzu kommt, dass die Erträge an Grundfutter meistens ebenfalls nur geschätzt werden können. Das Silagevolumen als Ertragsgröße lässt sich durch die unregelmäßig gewölbten Silohaufen häufig nicht exakt ermitteln. Silobefuellung

Silobefuellung

Festfahren AlsenthalIn einem Milchviehbetrieb im Kreis Altenkirchen wurde nun 2008 der Maisanbau komplett über einen Lohnunternehmer erledigt, da er über keine eigenen Maschinen für den Ackerbau verfügte und diese für den geringen Einsatzumfang (14,0 ha) aus betriebswirt-schaftlichen Gründen zu Recht
Festfahren Alsenthalnicht anschaffen wollte. Die kompletten Arbeitserledigungskosten für Bodenbearbeitung, Düngung einschließlich Güllefahren, Aussaat, Pflanzenschutz und Ernte lagen daher in Form von Rechnungen vor. Eine möglichst genaue Erfassung von Ertrag und Kosten durch Mitarbeiter des DLR Westerwald-Osteifel – Vermessung des Silohaufens und Dichtemessung der Silage - ergab einen Ertrag von 58,1 cbm oder 117,4 dt TM Maissilage /ha. Mit durchschnittlich 6,70 MJ NEL/kg TS wurden 78.690 MJ NEL/ha eingebracht. Mit Direktkosten von 561 €/ha (ohne Güllebewertung), Arbeitserledigungskosten von 828 €/ha und sonstigen Kosten von 219 €/ha ergaben sich Vollkosten von 1.609 €/ha. Das sind 27,67 €/cbm
Silage oder 20,4 Ct/10 MJ NEL. Ein Verkauf ab Feld hätte mindestens 1.077 €/ha incl. MWSt. oder 24,33 €/to netto erbringen müssen, um die Anbaukosten zu decken – bzw. ohne Güllebewertung 910 €/ha oder 20,56 €/to netto, um die Anbaukosten zu decken.
Die Übersicht 1 zeigt die angefallen Direktkosten des Maisanbaus. Neben dem Saatgut, angebaut wurden 2 verschiedene Sorten (Nescio und PR39K13) mit den Siloreifezahlen 220 und 230, das 181 € je ha kostete, DAP als Unterfußdüngung mit 148 €/ha, einer Kalkgabe mit 30 €/ha (hier wurden die Kosten auf 3 Jahre verteilt) und Herbizidkosten von 70 €/ha fallen die recht hohen Kosten für das eingesetzte Siliermittel (Heterofermentative Milchsäurebakterien plus Cellulasen, die die Verdaulichkeit der Silage und damit Energiegehalt und Futteraufnahme verbessern sollen) mit 133 €/ha und die Nährstoffkosten der eingesetzten Gülle auf. Wenn man den Nährstoffwert der Gülle mit 5 €/cbm ansetzt, dann fallen bei eingesetzten 33,4 cbm/ha Kosten von 167 €/ha an. In den Betriebszweigauswertungen von Rindviehbetrieben werden die Nährstoffkosten der Gülle nicht bewertet, wenn der Aufwuchs als Futter für Rinder eingesetzt wird. Sonst müsste man bei der Milchkuh im Gegenzug einen Erlös für die anfallende Gülle ansetzen. Wird jedoch der Aufwuchs verkauft, z.B. als Silomais ab Feld für eine Biogasanlage, dann sollte man die Nährstoffkosten der Gülle ansetzen, denn die Nährstoffe haben dann den Betrieb verlassen. Insgesamt entstanden Direktkosten von 729 €/ha, ohne Gülle-Nährstoffwert 561 €/ha. Ohne Siliermittel wären es 428 €/ha gewesen.Maisabladen Alsenthal

Maisabladen Alsenthal
Maisdrillen

Die einzelnen Kosten der Arbeitserledigung incl. Mehrwertsteuer sind in Übersicht 2 aufgeführt. Den größten Anteil machen erwartungsgemäß die Erntekosten komplett mit 425 €/ha aus. Die Arbeitserledigungskosten insgesamt betrugen 828 €/ha. Auswertungen der Maisernte 2007 der Milchviehberatungsringe Rheinland-Pfalz weisen zum Vergleich Arbeitserledigungskosten von Ø 871 €/ha aus, d.h. hier liegt der Betrieb trotz (oder wegen?) kompletter Arbeitserledigung durch Lohnunternehmer günstiger! Die gesamten Produktionskosten der Ringbetriebe betrugen 2007
Ø 1.517 €/ha bei 120 dt TM/ha oder 19,8 Ct/10 MJ NEL.

Zum Vergleich:
Maisernte Katzwinkel

Ohne das relativ teure Siliermittel hätten sich die Erzeugungs-kosten in dem Betrieb auf 1.476 €/ha, d.h. 45 €/to oder 25,40 €/cbm bzw. 18,8 Ct/10MJ NEL reduziert.
Die Maisanbauflächen lagen in einer Höhenlage von 280 bis 320 m über NN, die Nieder-schläge liegen bei rund 900 mm
Maisernte Katzwinkel
im Mittel der Jahre. Die 14,0 ha Gesamt-Anbaufläche verteilten sich auf 3 in etwa gleich große Schläge, von denen 2 ungleichmäßig geformt sind.
Aufgrund der ungünstigen topographie mussten weite Wege zum Silo gefahren werden. Bedingt durch die Abreifebedingungen im Herbst 2008 wurde der Erntetermin nach hinten verlagert, so dass der Silomais bereits Nachfröste überstehen musste. Damit stieg auch der TS-Gehalt auf ca. 36% an. Die Ernte wurde am 11. Oktober 2008 bei dann gutem Herbstwetter eingebracht, dabei wurden ein 8-reihiger Häcksler und 3 Transportgespanne eingesetzt.
Die Ergebnisse der Dichtemessung weisen im Durchschnitt 198 bzw. 207 kg Trockenmasse je cbm aus. Dies sind für Maissilagen mit 28 bis 32% TS durchschnittliche und noch akzeptable Werte, jedoch reichen diese bei höheren TS-Gehalten, so wie sie hier vorliegen, nicht aus, um eine Nacherwärmung zu verhindern. Bei 35% TS und mehr werden mindestens 230 kg TM/cbm gefordert. Maissilage sollte, um stabil zu bleiben, ein Raumgewicht von über 650 kg je cbm haben – auch bei hohen TS-Gehalten. Durch die fehlenden festen Silowände werden die Flanken oben rechts und links zu Problemzonen, da hier nicht ausreichend verdichtet werden kann. Als Gründe für die Nacherwärmung sind zu nennen: Maisernte Katzwinkel

Maisernte Katzwinkel

Maisernte Katzwinkel

Zu hoher TS-Gehalt der Maissilage, nicht ausreichende Verdichtung, fehlende Silowände, zu frühes Öffnen des Silos – besonders beim Einsatz von Milchsäurebakterien, weiteres Auflockern durch ungünstige Entnahmetechnik (Greifschaufel). Der Einsatz des Siliermittels hat erhebliche Kosten verursacht und war unter den gegebenen Umständen nicht vorteilhaft.
Mit den ermittelten Daten kann man auch errechnen, welcher Erlös ab Feld erzielt werden müsste, um bei einem Verkauf z.B. an einen Biogasbetreiber zumindest die Anbaukosten zu decken. Weil die Gülle-Nährstoffe in diesem Fall den
Maisernte Katzwinkel

Maisfelder Katzwinkel

Betrieb verlassen – es sei denn man erhält die Gärreste zurück, ist zunächst von Vollkosten von 1 776 €/ha (Übersicht 3) auszugehen.
Davon werden alle Beträge abgezogen, die bei einem Verkauf ab Feld für den Anbauer nicht mehr anfallen: Erntekosten, Siliermittel, Futterlagerung, Folie, Abdecken. Es verbleiben Anbaukosten von
1 077 €/ha, was bei angenommenen 40 to Grünmasse je ha 26,93 €/to incl. Mehrwertsteuer bzw. 24,33 €/to ohne Mehrwertsteuer ergibt. Ohne Siliermittelkosten ergäben sich Anbaukosten von 945 €/ha oder 21,34 €/to ohne Mehrwertsteuer. Ist Gülle im Betrieb im Überfluss vorhanden, so dass für die Nährstoffe keine Kosten
Silomais Katzwinkel

anzusetzen wären, oder erhält der Betrieb die Nährstoffe über die Gärreste zurück, dann wären die Anbaukosten mit 910 €/ha ab Feld oder 20,56 €/to netto gedeckt.
Natürlich ist jedes Jahr mit Vegetationsverlauf und Anbaubedingungen anders, so dass die ermittelten Zahlen streng genommen nur für das Jahr 2008 und für diesen Standort Gültigkeit haben. 2008 war im Allgemeinen ein gutes Maisjahr mit überdurchschnittlichen Erträgen. Auch zu beachten ist, dass nach Grünlandumbrüchen wie hier die Erträge oft wesentlich höher ausfallen als wenn Mais nach Mais folgt. Auch die Lohnunternehmerkosten liegen in anderen Regionen oder Betrieben vielleicht etwas anders.

SilovermessungSilovermessungSilovermessung











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