Hygiene beim Melkroboter

Stand: 09/23/2009
Autor: Werner Baumgarten, DLR Westerwald-Osteifel


Seit mittlerweile 15 Jahren werden Melkroboter (automatische Melkverfahren, AMV) für die Melkroutine in landwirtschaftlichen Betrieben eingesetzt. In Rheinland-Pfalz wurde das erste AMV 1998 in Betrieb genommen. Die Erwartungen an die neue Technologie sind nach wie vor groß. Neben deutlichen Arbeitserleichterungen erhofft man sich eine Steigerung der Milchleistung und auch eine Verbesserung der Eutergesundheit durch das häufigere Melken.


Die Gründe für erhöhte Zeltzahlen in Betrieben mit AMV werden kontrovers diskutiert. Systeme mit Zwangsverkehr gehen mit einem erheblichen Stress vor allem für Rang niedere Tiere einher. Beim Melken mit dem Roboter ist der Anteil der Kühe, die sich direkt nach dem Melken wieder in die Boxen legen, wesentlich höher als beim konventionellen Melken. Da sich der Strichkanal nach dem Melken nur langsam wieder verschließt, führt dies zu einer erhöhten Infektionsgefahr in den Boxen durch den Kontakt der Zitzen mit der Einstreu bei noch geöffnetem Strichkanal.

In einem konventionellen Melkstand werden während einer Melkzeit mit einem Melkzeug je nach Bestands- und Melkstandsgröße ca. 5-10 Kühe gemolken. Danach wird eine gründliche Reinigung der Melkanlage durchgeführt. Mit einer AMV-Box werden in der Regel 50-70 Kühe gemolken. Bei knapp drei täglichen Melkungen pro Kuh werden somit von einem System 160-200 Melkungen pro Tag durchgeführt, d. h. es werden 60 oder noch deutlich mehr Kühe gemolken bis eine Hauptreinigung erfolgt — je nachdem, ob zwei oder drei Hauptreinigungen pro Tag durchgeführt werden. Dies zeigt die hohe Gefahr der Verbreitung von Mastitiserregern beim Melken im AMV und verdeutlicht die Notwendigkeit effektiver Zwischenreinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen nach dem Melken jeder einzelnen Kuh.

Melksystem
In Rheinland-Pfalz (Stand 8/09)melken bereits mehr als 40 landwirtschaftliche Betriebe mit Automatischen Melksystemen. Immer wieder kommt es vereinzelt zu unerklärlichen Schwankungen des Milchzellgehalts bei Betrieben mit Melkrobotern. In Zusammenarbeit des Landesuntersuchungsamtes Koblenz, des Landeskontrollverband Rheinland-Pfalz und des Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Westerwald-Osteifel fand eine Untersuchung auf einzelnen Roboterbetrieben statt, mit dem Ziel mögliche Fehlerquellen auf zu decken. Es wurden 23 Betriebe mit Anlagen der Firmen Lely (15), DeLaval (7) und GM (1) in Rheinland-Pfalz untersucht.
Die Probenahme der Milchproben erfolgten auf den Betrieben. Die Tupferproben wurden unmittelbar nach der Hauptreinigung sowie nach der Melkung der ersten und der dritten Kuh aus allen vier Zitzenbechern entnommen. Als Kontrolle dienten drei konventionell melkende Betriebe mit Melkstand. Hier wurden Tupferproben ebenfalls unmittelbar vor Melkbeginn sowie nach dem Melken der ersten und dritten Kuh entnommen.


Hauptreinigung
Wie Abb. 1 zeigt waren selbst nach Durchführung der Hauptreinigung nicht alle Zitzenbecher keimfrei – dies gilt sowohl für die Betriebe mit AMV als auch für einen der drei konventionell Melkenden. Nach der Hauptreinigung waren bei 34% der geprüften Melkroboter alle Melkbecher keimfrei, 28% der Roboter hatten nur einen mit Bakterien kontaminierten Zitzenbecher. Der Anteil der kontaminierten Zitzenbecher steigt dann mit dem Melken von Kuh zu Kuh an. Nach dem Melken der ersten Kuh sind vor dem Ansetzen bei der zweiten Kuh nur noch 4% aller Melkzeuge komplett keimfrei und nur noch 8% mit drei keimfreien Zitzenbechern. Stattdessen sind 38% der Melkzeuge in allen vier
Abstrich mit Tupfer

Tupfer nach Hauptreinigung
Zitzenbechern mit Bakterien belastet. Nach dem Melken der dritten Kuh sinkt der Anteil der keimfreien Melkbecher weiter ab und es sind 92% der Melkzeuge in mindestens zwei Zitzenbechern kontaminiert.



Abb. 1:
Angaben in Prozent: Anteil der Melkzeuge mit keinem, eins, zwei, drei, vier keimfreien Zitzenbecher nach der Hauptreinigung, nach dem Melken der ersten Kuh und Zwischenreinigung und nach dem Melken der dritten Kuh und Zwischenreinigung



Als Keime wurden neben unspezifischen Bakterien aus der Umwelt in vielen Zitzenbechern Mastitiserreger nachgewiesen, sowohl sogenannte Umwelterreger wie Streptoccus uberis, Enterokokken und E. coli als auch klassische Mastitiserreger, wie Staphylococcus aureus, die beim Melken übertragen werden. In den meisten Fällen handelt es sich nur um geringfügige Kontaminationen. Staphylokokken und E. coli-Keime wurden aber in einigen Zitzenbechern auch nach der Hauptreinigung in größeren Mengen gefunden. Nach dem Melken wurden auch Streptococcus uberis und Enterokokken (Äskulin-positive Streptokokken) und vereinzelt auch Stapylococcus aureus in größeren Mengen in den Tupfern aus einzelnen Zitzenbechern nachgewiesen. Dies zeigt wieder die Notwendigkeit von Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen beim automatisierten Melken nach jeder einzelnen Kuh.

Zwischenreinigung
Die Effektivität der Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen für die untersuchten Lely-Systeme wurde mithilfe eines Punkteschlüssels verglichen (Abb. 2). Für jeden keimfreien Melkbecher gab es einen Punkt, sodass bei vier keimfreien Melkbechern die optimale Punktzahl 4 erreicht werden konnte. Beim Vergleich der Effektivität der verschiedenen Verfahren muss allerdings berücksichtigt werden, dass nur vier Betriebe über die relativ neu von der Fa. Lely angebotene Zwischendesinfektion mit heißem Wasserdampf verfügen und nur drei Betriebe eine Zwischenspülung nur mit Wasser durchführen, wohingegen bei 16 Anlagen Peressigsäure zur Zwischendesinfektion einsetzt wird. Wegen der unterschiedlichen Gruppengrößen können Aussagen nur mit Vorsicht getroffen werden, der Tendenz nach scheint aber die Desinfektion mit heißem Wasserdampf zu guten Ergebnissen zu führen. In der Gruppe der Betriebe mit Peressigsäure - Einsatz ergab sich
Wirksamkeit - Zwischenreinigung
eine relativ große Streuung. Viele Betriebe erreichten auch hier gute Ergebnisse, wohingegen andere abfielen. In mehren Betrieben war die Konzentration der Peressigsäure zu niedrig, die empfohlenen 750-1000 ppm wurden nicht erreicht. In den Betrieben mit einem AMV der Fa. DeLaval wird Peressigsäure in drei Betrieben eingesetzt und in den vier anderen Beständen eine Zwischenspülung ausschließlich mit Wasser durchgeführt. Hier ergaben sich für die Betriebe mit Peressigsäure tendenziell bessere Ergebnisse.


Dampfreinigung

Abb. 2: Wirksamkeit unterschiedlicher Zwischenreinigungsmaßnahmen bei AMV-Systemen (Lely)

Fazit
Beim Melken mit AMS ist die Gefahr der Übertragung von Mastitiserregern besonders groß. Zur Minderung der Erregerkontamination der Zitzenbecher sollte eine Zwischendesinfektion mit Peressigsäure, aber noch besser mit heißem Wasserdampf erfolgen.





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