Nachlese & Vortäge zum Download

Stand: 11/08/2018




Unter dem Motto „Die wunderbare Welt der digitalen Weinvermarktung“ fand am 06. November 2018 der WeinMarketingtag erstmals im Rahmen des Internationalen DWV-Kongresses auf der Intervitis in Stuttgart statt. Vor einem Plenum mit 120 Teilnehmern diskutierten Experten aus der Weinwirtschaft über die Chancen der Digitalisierung für eine erfolgreiche Flaschenweinvermarktung.

„Die Digitalisierung revolutioniert nicht nur die Arbeit im Weinberg und Keller, sie verändert auch die Handelslandschaft und das Einkaufsverhalten der Weinkunden. Eine ganze Generation von jungen Verbrauchern ist mit dem Smartphone groß geworden. Die sogenannte Generation Y oder Millennials informieren sich im Internet, kaufen Online und teilen ihre Vorlieben selbstverständlich mit Freunden in den Sozialen Medien. Und was noch wichtiger ist: Millennials haben großes Interesse an Wein!“, resümierte Bernd Wechsler vom Kompetenzzentrum Weinmarkt & Weinmarketing Rheinland-Pfalz, der die Moderation des Nachmittags übernahm.

Weinbaustaatssekretär Andy Becht wies in seinem Grußwort darauf hin, dass das rheinland-pfälzische Weinbauministerium Winzern durch die Förderung von Projekten wie der Geo-Box eine Infrastruktur zur Verfügung stellt, die diese nutzen und bespielen können. Für das einzelbetriebliche Marketing sieht Becht die große Chance über soziale Medien authentische Geschichten rund um Wein und Winzer zu erzählen.

Wilhelm Lerner vom Marktforschungsunternehmen Wine Intelligence gab Einblicke in die Vinitrac-Online-Befragung, an der rund 1.000 Weinkonsumenten teilgenommen haben. Mit Blick auf die Zielgruppe der Digital Natives – die mehr als die Hälfte der regelmäßigen deutschen Weinkonsumenten ausmacht – ist für Lerner klar: „Das Internet wird als Einkaufskanal und Informationsquelle genutzt. Ohne digitale Vermarktungsmöglichkeiten auf unterschiedlichen Kanälen werden wir unsere Kunden nicht mehr erreichen.“
Dabei teilt er die Digital Natives in zwei Gruppen ein: Auf der einen Seite die „Multichannel-Shopper“, die auf allen Kanälen kaufen (44 % der regelmäßigen Weinkonsumenten, jünger als der Durchschnitt, mit einem breiten Herkunftsportfolio), für die die Onlinevermarktung zur Neukundenaquisition genutzt werden kann. Auf der anderen Seiten die „Wein-Shopper“, die sowohl im Weingut, Fachhandel, Versandhandel und Internet kaufen (13 % der regelmäßigen Weinkonsumenten, älter als der Durchschnitt, mit einem schmaleren Herkunftsportfolio). Hier bietet die Digitalisierung der Vermarktung eine Absicherung des Bestands.

„Der Online-Kauf von Wein und Lebensmitteln wird heute als normal angesehen.“, bestätigte auch Michael Pleitgen von der Hochschule Heilbronn. Eine Marktanalyse der Hochschule von rund 1.000 Online-Weineinkäufern hat ergeben, dass 80 % der Befragten bereit sind, ihren Wein bei einem LEH Online-Shop einzukaufen. Ein Potential, das nicht verspielt werden sollte. Bei den Online-Shops für Weinverkauf hat Amazon die Nase vorn – gefolgt von Lidl, Ebay, Hawesko und Jaques Weindepot. „Winzer sollten die Chance nutzen, durch einen Webshop die Möglichkeit eines Online-Kaufs zu bieten. Immerhin ist die Ausgabebereitschaft ähnlich wie im Fachhandel. Pro Bestellung werden durchschnittlich 6 Flaschen für rund 69 Euro bestellt, so dass online zwischen 8 bis 10 Euro pro Flasche investiert wird.“, so Pleitgen.

Dass es gelingen kann, den Weinverkauf über Social Media zu steigern, bestätigte der österreichische Winzer Urban T. Stargård. Seit 2011 – in der Aufbauphase des Weinguts – hat der Halbschwede seine Aktivitäten bei Facebook forciert. Mit Posts über die Arbeiten im Weinberg und Keller, Einblicke in die Buschenschänke und Landschaftsbildern hat er sich ein Netzwerk aus Händlern, Endkunden, Winzerkollegen und Weinliebhabern aufgebaut. Die Händler, die Stargård heute beliefert, hat er allesamt über Facebook gewinnen können. 98 % des 17 ha Weingutes werden über den Handel vermarktet.
„Zeig Dich wie Du bist, bleib ehrlich und lass Dich nicht verbiegen.“, riet der Riesling-Fan seinen Kollegen. Dabei sei es wichtig, als Person aufzufallen – „laut“ zu sein und immer wieder neue Ideen zu haben. Die Zukunft liegt für Stargård bei Instagram: ein Kanal, der vor allem für sein internationales Geschäft zunehmend an Bedeutung gewinnt und über den eine jüngere Zielgruppe erreicht werden kann.

Das bestätigte auch Katharina Hauck, Doktorandin an der Hochschule Geisenheim. Mit ihrer Social Media Analyse 2018 fand sie heraus, dass 70 % der rund 450 befragten Weingüter Facebook und 30 % Instagram nutzen, andere Plattformen oder Programme spielen derzeit keine Rolle. Hauck appellierte, die neuen Medien noch viel intensiver zum Aufbau und zur Pflege von Geschäftsbeziehungen zu nutzen: „Social Media funktioniert nicht nur in Richtung Endkunde. Auch Händler und Gastronomen informieren sich und kontaktieren über Social Media.“ Dabei sei Professionalität oberste Prämisse: angefangen bei einem vollständigen Profil, über eine klare Zielgruppenausrichtung bis hin zu einer nicht zu aggressiven, ausschließlich auf den Verkauf fokussierten Vorgehensweise. „Informieren Sie Ihre Partner authentisch, professionell, regelmäßig und aktuell. Ihre Persönlichkeit ist dabei das beste Alleinstellungsmerkmal, das Sie haben“, resümierte Hauck.

Die unausweichliche Notwendigkeit eines professionellen Multichannel-Marketings rückte Nikolas von Haugwitz, Vorstandsmitglied von HAWESKO, in den Mittelpunkt. Der Geschäftsführer des führenden Premium-Weinhändlers in Deutschland bestätigte, dass die Digitalisierung mit einem hoch dynamischen Online-Geschäft wichtiger Wachstumstreiber am Weinmarkt ist. Er betonte aber auch die nach wie vor große Bedeutung der „analogen“ Vertriebsformen, also der Vermarktung über Ladengeschäfte oder den klassischen Katalog-Versandhandel. „Haben Sie keine Angst vor der Digitalisierung“, rief er den Teilnehmern zu. Von Haugwitz ist sich sicher, dass die digitale Transformation aus Marketingsicht vor allem ein Zurück zum Kunden ist, der noch stärker in den Fokus rückt. „Nur mit viel Emotionalität und als Team, Winzer und Händler gemeinsam, kann es gelingen, den Kunden zu begeistern“, so lautet sein Fazit.

Vorträge zum Download:

2018_11_06 Weinmarketingtag_Nikolas von Haugwitz.pdf2018_11_06 Weinmarketingtag_Nikolas von Haugwitz.pdfHauck_Makeitreal_B2BSocialMedia.pdfHauck_Makeitreal_B2BSocialMedia.pdfLerner_Wine Intelligence_Intervitis 2018_Wie konsumieren die Digital Natives_Auszug für Teilnehmer.pdfLerner_Wine Intelligence_Intervitis 2018_Wie konsumieren die Digital Natives_Auszug für Teilnehmer.pdfPleitgen_Onlineweinkauf.pdfPleitgen_Onlineweinkauf.pdf


Weitere Informationen zum WeinMarketingtag sowie über das Kompetenzzentrum Weinmarkt & Weinmarketing Rheinland-Pfalz erhalten Sie über DLR Rheinhessen-Nahe-Hunsrück, Kathrin Saaler, Tel: 0 61 33-930 301, kathrin.saaler@dlr.rlp.de






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