Stiellähme bei Reben

Symptome und Schadwirkung:



Die ersten sichtbaren Symptome der Stiellähme zeigen sich an den Traubenstielen mit dem Einsetzen der Reifephase. Sie können an beliebiger Stelle entstehen, i.d.R. treten sie aber gehäuft an den Verzweigungsstellen des Stielgerüstes auf. Zunächst entstehen 2-5 mm große, leicht eingesunkene, braun-schwarze Nekrosen, die noch keine messbaren Schäden verursachen. Haben sich die Nekrosen stielumfassend ausgebreitet, vertrocknet das Stielgerüst und kann dann die Beeren nicht mehr mit Wasser, Nährstoffen und Assimilaten versorgen. Durch den Stielgerüstbefall kommt es später zu Bodentrauben.
Somit führt die Stiellähme zu einem Qualitäts- und Ertragsausfall. Die Nekrosen am Stielgerüst sind trocken, kantig und übergangslos vom gesunden Gewebe abgesetzt. Die Symptome der Stiellähme lassen sich äußerlich sehr leicht mit der durch Botrytis verursachten Stielfäule verwechseln. Im Gegensatz zur Stiellähme ist bei der Stielfäule der Übergang zwischen krankem und gesundem Gewebe fließend; von grün bis hin zu dunkelbraun. Da Botrytis das Gewebe auflöst, bleiben jedoch die Nekrosen feucht (Nassfäule). Meist besiedelt Botrytis erst das durch die Stiellähme geschädigte Gewebe, wodurch eine Trennung, der beiden Krankheiten im Herbst meist nicht mehr möglich ist.

Ursachen:
Die Ursachen der Stiellähme sind sehr vielfältig und bis heute noch nicht vollständig geklärt. Man unterscheidet zwei Theorien, die Nährstoff-Theorie und die Regulations-Theorie.
Nach der Nährstoff-Theorie erfolgt die Schädigung durch einen Mangel an Calcium und vor allem an Magnesium im Stielgerüst bei gleichzeitig überhöhtem Kaliumgehalt (weites K/Ma+Ca-Verhältnis). Da zweiwertige Ionen (Mg2+,Ca2+) im Gegensatz zu einwertigen (K+) eine stabilisierende Wirkung, auf die Zellmembran haben, führt ein Mangel an zweiwertigen Ionen zu einem Wasserverlust und schließlich zum Austrocknen der Zellen. Solche Verhältnisse werden z.B. durch starke Regenfälle nach einer Trockenperiode etwa zum Reifebeginn hervorgerufen. Unter diesen Bedingungen wird das Stielgerüst stärker mit K+ als mit Mg2+ und Ca2+ versorgt, außerdem entziehen die Kerne zu diesem Stadium hohe Mengen Mg2+ und Ca2+.
Die Regulationstheorie geht von einem gestörten Hormonhaushalt aus. Dabei soll neben dem starken Rückgang der Pflanzenhormone der Hemmstoff Abscisinsäure, welcher für Alterungsprozesse zuständig ist, ab Reifebeginn übermäßig, stark ansteigen. Eine Schädigung, durch den gestörten Hormonhaushalt ist besonders dann zu erwarten, wenn z.B. durch zu tiefe Blühtemperaturen ein unterschiedliches Aufblühen mit nachfolgender Verrieselung erfolgt und dadurch der Fruchtansatz am Geschein sehr verschieden ist. Dies führt zu einer unterschiedlich weit fortgeschrittenen Entwicklung des Traubenstiels, so dass einzelne Stielteile geschwächt, andere wiederum gestärkt sind. Infolge der hohen Belastung durch den gestörten Pflanzenhormonhaushalt während der Reifephase werden dann gerade diese geschwächten Teile des Stielgerüstes geschädigt.
Neben den bereits genannten Witterungseinflüssen wird die Stiellähme auch von den Bodenverhältnissen beeinflusst. Dabei wird die Stiellähme insbesondere auf leichten Böden mit unharmonischer Nährstoffversorgung, vor allem bezüglich Mg2+ (z.B. wenn K/Mg > 3/1), begünstigt. Auch ein zu starker Wuchs, bedingt durch den Anschnitt, die Wüchsigkeit der Unterlage (5 BB besonders ungünstig), die N-Düngung etc. sowie eine dichte Laubwand (Beschattung der Trauben) führen zu einem erhöhten Stiellähmebefall. Die Stiellähmeanfälligkeit wird ebenfalls in hohem Maße von der Rebsorte beeinflusst.

Bekämpfung:
Die Bekämpfung, der Stiellähme kann auf indirektem und auf direktem Wege erfolgen.
Zu den indirekten Maßnahmen gehören all jene, die zu einer ausgeglichenen Nährstoffversorgung und Humusanreicherung des Bodens und zu einer Reduzierung des Wuchses führen. Hierzu gehören u.a. eine Begrünung, eine knappe N-Düngung und eine nicht zu starkwüchsige Unterlage. Bodenbearbeitungsmaßnahmen sollten in der kritischen Phase des Stiellähmeauftretens möglicht gering gehalten werden.
Auch eine gute Besonnung der Traubenzone (Abhärtung des Gewebes durch UV-Strahlung) durch Laubarbeiten und evtl. Entblätterun- kann den Stiellähmebefall mindern.
Die Wahl der Rebsorte kann ebenfalls als indirekte Maßnahme gesehen werden:
  • hohe Anfälligkeit: Riesling, Traminer, Gutedel, Faberrebe, Bacchus, Optima, Dornfelder
  • mittlere Anfälligkeit: Kerner, Müller-Thurgau, Scheurebe, Morio, Portugieser
  • geringe Anfälligkeit: Burgundersorten, Silvaner, Ortega, Ehrenfelser, Huxelrebe, Siegerrebe

Zur direkten Bekämpfung der Stiellähme kann eine Behandlung mit Mg-haltigen Blattdüngemitteln erfolgen. Verwendung finden u.a. folgende Präparate:

Symptome und Schadwirkung:



Die ersten sichtbaren Symptome der Stiellähme zeigen sich an den Traubenstielen mit dem Einsetzen der Reifephase. Sie können an beliebiger Stelle entstehen, i.d.R. treten sie aber gehäuft an den Verzweigungsstellen des Stielgerüstes auf. Zunächst entstehen 2-5 mm große, leicht eingesunkene, braun-schwarze Nekrosen, die noch keine messbaren Schäden verursachen. Haben sich die Nekrosen stielumfassend ausgebreitet, vertrocknet das Stielgerüst und kann dann die Beeren nicht mehr mit Wasser, Nährstoffen und Assimilaten versorgen. Durch den Stielgerüstbefall kommt es später zu Bodentrauben.
Somit führt die Stiellähme zu einem Qualitäts- und Ertragsausfall. Die Nekrosen am Stielgerüst sind trocken, kantig und übergangslos vom gesunden Gewebe abgesetzt. Die Symptome der Stiellähme lassen sich äußerlich sehr leicht mit der durch Botrytis verursachten Stielfäule verwechseln. Im Gegensatz zur Stiellähme ist bei der Stielfäule der Übergang zwischen krankem und gesundem Gewebe fließend; von grün bis hin zu dunkelbraun. Da Botrytis das Gewebe auflöst, bleiben jedoch die Nekrosen feucht (Nassfäule). Meist besiedelt Botrytis erst das durch die Stiellähme geschädigte Gewebe, wodurch eine Trennung, der beiden Krankheiten im Herbst meist nicht mehr möglich ist.

Ursachen:
Die Ursachen der Stiellähme sind sehr vielfältig und bis heute noch nicht vollständig geklärt. Man unterscheidet zwei Theorien, die Nährstoff-Theorie und die Regulations-Theorie.
Nach der Nährstoff-Theorie erfolgt die Schädigung durch einen Mangel an Calcium und vor allem an Magnesium im Stielgerüst bei gleichzeitig überhöhtem Kaliumgehalt (weites K/Ma+Ca-Verhältnis). Da zweiwertige Ionen (Mg2+,Ca2+) im Gegensatz zu einwertigen (K+) eine stabilisierende Wirkung, auf die Zellmembran haben, führt ein Mangel an zweiwertigen Ionen zu einem Wasserverlust und schließlich zum Austrocknen der Zellen. Solche Verhältnisse werden z.B. durch starke Regenfälle nach einer Trockenperiode etwa zum Reifebeginn hervorgerufen. Unter diesen Bedingungen wird das Stielgerüst stärker mit K+ als mit Mg2+ und Ca2+ versorgt, außerdem entziehen die Kerne zu diesem Stadium hohe Mengen Mg2+ und Ca2+.
Die Regulationstheorie geht von einem gestörten Hormonhaushalt aus. Dabei soll neben dem starken Rückgang der Pflanzenhormone der Hemmstoff Abscisinsäure, welcher für Alterungsprozesse zuständig ist, ab Reifebeginn übermäßig, stark ansteigen. Eine Schädigung, durch den gestörten Hormonhaushalt ist besonders dann zu erwarten, wenn z.B. durch zu tiefe Blühtemperaturen ein unterschiedliches Aufblühen mit nachfolgender Verrieselung erfolgt und dadurch der Fruchtansatz am Geschein sehr verschieden ist. Dies führt zu einer unterschiedlich weit fortgeschrittenen Entwicklung des Traubenstiels, so dass einzelne Stielteile geschwächt, andere wiederum gestärkt sind. Infolge der hohen Belastung durch den gestörten Pflanzenhormonhaushalt während der Reifephase werden dann gerade diese geschwächten Teile des Stielgerüstes geschädigt.
Neben den bereits genannten Witterungseinflüssen wird die Stiellähme auch von den Bodenverhältnissen beeinflusst. Dabei wird die Stiellähme insbesondere auf leichten Böden mit unharmonischer Nährstoffversorgung, vor allem bezüglich Mg2+ (z.B. wenn K/Mg > 3/1), begünstigt. Auch ein zu starker Wuchs, bedingt durch den Anschnitt, die Wüchsigkeit der Unterlage (5 BB besonders ungünstig), die N-Düngung etc. sowie eine dichte Laubwand (Beschattung der Trauben) führen zu einem erhöhten Stiellähmebefall. Die Stiellähmeanfälligkeit wird ebenfalls in hohem Maße von der Rebsorte beeinflusst.

Bekämpfung:
Die Bekämpfung, der Stiellähme kann auf indirektem und auf direktem Wege erfolgen.
Zu den indirekten Maßnahmen gehören all jene, die zu einer ausgeglichenen Nährstoffversorgung und Humusanreicherung des Bodens und zu einer Reduzierung des Wuchses führen. Hierzu gehören u.a. eine Begrünung, eine knappe N-Düngung und eine nicht zu starkwüchsige Unterlage. Bodenbearbeitungsmaßnahmen sollten in der kritischen Phase des Stiellähmeauftretens möglicht gering gehalten werden.
Auch eine gute Besonnung der Traubenzone (Abhärtung des Gewebes durch UV-Strahlung) durch Laubarbeiten und evtl. Entblätterun- kann den Stiellähmebefall mindern.
Die Wahl der Rebsorte kann ebenfalls als indirekte Maßnahme gesehen werden:
  • hohe Anfälligkeit: Riesling, Traminer, Gutedel, Faberrebe, Bacchus, Optima, Dornfelder
  • mittlere Anfälligkeit: Kerner, Müller-Thurgau, Scheurebe, Morio, Portugieser
  • geringe Anfälligkeit: Burgundersorten, Silvaner, Ortega, Ehrenfelser, Huxelrebe, Siegerrebe

Zur direkten Bekämpfung der Stiellähme kann eine Behandlung mit Mg-haltigen Blattdüngemitteln erfolgen. Verwendung finden u.a. folgende Präparate:




      Dabei werden von den Herstellern mehrere Behandlungen während der Vegetation (z.T. schon eine Behandlung vor der Blüte) empfohlen. Die kritischste Phase liegt zwischen Traubenschluss und Reifebeginn, in der 2-3 Behandlungen in die Traubenzone erfolgen sollten. Die letzte Behandlung kann i.d.R. mit der Abschlussspritzung kombiniert werden. Wichtig ist, dass das Stielgerüst gut benetzt wird. Um eine mögliche Verbrennungsgefahr zu vermindern, ist es vorteilhaft die Mg-Präparate in den Abendstunden oder früh morgens auf taunasse Blätter auszubringen. Die Mg-Präparate können – unter Beachtung der Mischungsangaben des Herstellers – i.d.R. mit dem Pflanzenschutz kombiniert werden.


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