Ausbildung zum Gärtner - Fachrichtung Obstbau

Gärtner/inObstbau
Die Ausbildung im Überblick
Gärtner/innen sind Fachleute für die Produktion und Pflege von Pflanzen, aber auch für die richtige Verwendung von und für die Gestaltung mit Pflanzen. Gärtner/in ist ein anerkannter Ausbildungsberuf nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG). Er ist dem Berufsfeld Agrarwirtschaft, Schwerpunkt Pflanzlicher Bereich, zugeordnet.

Der Beruf wird in folgenden Fachrichtungen ausgebildet:

- Gärtner/in - Baumschule
- Gärtner/in - Friedhofsgärtnerei
- Gärtner/in - Garten- und Landschaftsbau
- Gärtner/in - Gemüsebau
- Gärtner/in - Obstbau
- Gärtner/in - Staudengärtnerei
- Gärtner/in - Zierpflanzenbau

Tätigkeitsbeschreibung
Gärtner und Gärtnerinnen der Fachrichtung Obstbau erzeugen , kultivieren, ernten und vermarkten Obst.
Unser Obstverbrauch ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Immer mehr Menschen achten auf gesunde, abwechslungsreiche und vitaminreiche Kost. Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen darüber hinaus die gesundheitsfördernde Wirkung von Obst aller Art.
Die Verbraucher wollen qualitativ einwandfreie und frische Ware. Über die Hälfte des in Deutschlands verzehrten Obstes kommt aus heimischem Anbau. Das Angebot an Kern-, Stein- und Beerenobst reicht von Äpfeln - der weitaus bedeutendsten Obstart - über Kirschen, Pflaumen und Birnen bis hin zu Erd-beeren oder Johannisbeeren .
Natur- und Umweltschutz hat auch im Obstanbau einen hohen Stellenwert. Dabei spielt der kontrollierte Integrierte Anbau als umweltschonendes Kulturverfahren eine entscheidende Rolle.
Hier wird Obst unter größtmöglicher Schonung von Boden, Wasser und Natur gezogen und angebaut. Dies gelingt durch eine deutliche Verringerung des Einsatzes von chemischen Pflanzenschutzmitteln und Düngern. Stattdessen setzen die Obstbetriebe auf gesundes Saatgut, schonende Bodenbearbeitung, optimale Standortwahl und Nutzung der natürlichen Bodenfruchtbarkeit . Schädlinge werden möglichst natürlich bekämpft, zum Beispiel durch natürliche Helfer wie Marienkäfer, Florfliegen oder Schlupf-wespen.
Um die Belastung des Grundwassers durch Nitrat und Nitritgehalt in Obst so gering wie möglich zu halten, wird bedarfsgerecht gedüngt, wobei die Nährstoffreserven im Boden bei der Versorgung des Bodens berücksichtigt werden. Auch gezielte Schnitt- oder Veredelungsarbeiten gehören zu einem qualitätsorientierten Anbau. Genaue Anbaurichtlinien, die von unabhängigen Organisationen regelmäßig überprüft werden, sorgen dafür, dass Obst so schonend wie möglich produziert wird.
Moderne Techniken erleichtert die im Obstbau anfallenden Arbeiten. Pflaumen und Zwetschgen zum Beispiel werden zum Teil schon mechanisch mit speziellen Schüttelmaschinen geerntet, Äpfel und Kirschen können aufgrund kleinerer Baumformen ohne Leiter vom Boden aus geerntet werden.
Sortier- und Abpackanlagen bereiten das Obst markt- bzw. lagergerecht auf, wobei spezielle Lager-verfahren die Frische und den Absatz über einen längeren Zeitraum sichern.
Obstgärtnereien verkaufen ihre Produkte über Erzeugerorganisationen oder Genossenschaften, manche Betriebe auch direkt an Handel und Verbraucher.

Aufgaben und Tätigkeiten
- Obstpflanzungen anlegen
- Obstanbau planen; Pflanzflächen auswählen und vorbereiten
- Boden bearbeiten und pflegen
- Obstarten und -sorten sowie Pflanzgut beurteilen und auswählen
- Obst mit Hilfe unterschiedlicher Produktionsverfahren und Anbausysteme erzeugen
- Obst pflanzen; Schutzmaßnahmen durchführen
- Obstpflanzungen bedarfsgerecht und umweltschonend pflegen (z.B. formieren, schneiden, ausdünnen)
- Ernte, Aufbereitung und Lagerung
- Arten- und sortenspezifische Erntezeitpunkte bestimmen und Obst ernten
- Obst marktgerecht aufbereiten (z.B. sortieren, verpacken, kennzeichnen)
- Obst einlagern; Lagerklima überwachen und steuern
- Technische Einrichtungen, Spezialmaschinen und Geräte bei der Obstproduktion einsetzen
- Vermarktung
- Obst verpacken und zur Vermarktung transportieren
- Obst verkaufsfördernd präsentieren und vermarkten; Kunden informieren

Spezialisierungen
Meist spezialisieren sich Gärtner und Gärtnerinnen der Fachrichtung Obstbau in Abhängigkeit vom Betrieb auf bestimmte Obstsorten. Auch eine Spezialisierung auf einzelne Tätigkeitsfelder ist möglich, wie zum Beispiel:
- Veredelung
- Baumchirurgie
- Verkauf

Ausbildungsinhalte
Während der Ausbildung im Betrieb lernt man zum Beispiel:
Ø wie der Boden bearbeitet und gepflegt wird,
Ø wie Erden und Substrate beurteilt, verwendet und gelagert werden,
Ø wie man den Obstanbau plant, Flächen auswählt und zur Pflanzung vorbereitet,
Ø wie Obstarten und -sorten sowie Pflanzgut beurteilt und ausgewählt werden,
Ø wie das Obst gepflanzt wird und wie verschiedene Produktionsverfahren eingesetzt werden,
Ø wie das Obst umweltschonend gepflegt wird und was die verschiedenen Schnittmaßnahmen bewirken,
Ø wie man den Erntezeitpunkt bestimmt und die unterschiedlichen Obstarten erntet,
Ø wie die verschiedenen Obstarten marktgerecht aufbereitet und eingelagert werden,
Ø wie man Obst verkaufsfördernd präsentiert und vermarktet sowie Kunden informiert,
Ø wie man Informationen für betriebliche Abläufe und wirtschaftliche Zusammenhänge einholt bzw. erfasst und beurteilt,
Ø wie man Maschinen, Geräte sowie Betriebseinrichtungen einsetzt, bedient und instand hält.
Der theoretische Unterricht in der Berufsschule vermittelt darüber hinaus zum Beispiel:
Ø Wissen über Pflanzen und ihre Verwendung,
Ø was man über Kulturpflege wissen muss,
Ø Kenntnisse der umweltbewussten Kulturführung,
Ø Wissen über Maschinen, Geräte, technische Einrichtungen und Werkzeuge,
Ø wie man Informationssysteme zur Informationsbeschaffung nutzt,
Ø wie man Kosten und Preise ermittelt,
Ø Kenntnisse über Vermarktung, Werbung und Verkaufsförderung.
Rechtsgrundlagen:
Verordnung über die Berufsausbildung zum Gärtner/zur Gärtnerin vom 06.03.96
Rahmenlehrplan für den Ausbildungsberuf Gärtner/Gärtnerin, Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 12.08.97

Ausbildungsabschluss, Nachweise und Prüfungen
Ausbildungsabschluss
Abschlussprüfung gemäß § 34 Berufsbildungsgesetz (BBiG).
Die Prüfung wird auf Grundlage der Verordnung über die Berufsausbildung zum Gärtner/zur Gärtnerin durchgeführt.
Erforderliche Nachweise:
Voraussetzungen für die Zulassung zur Abschlussprüfung sind
Ø das während der Ausbildung in Form eines Ausbildungsnachweises geführte Berichtsheft,
Ø die Teilnahme an der Zwischenprüfung.
Erforderliche Prüfungen:
Zwischenprüfung
Zur Ermittlung des Ausbildungsstandes wird eine Zwischenprüfung durchgeführt. Sie besteht aus einem praktischen und einem schriftlichen Teil und soll vor dem Ende des zweiten Ausbildungsjahres statt-finden.
Abschlussprüfung
Die Abschlussprüfung in der Fachrichtung Obstbau erstreckt sich auf die im Ausbildungsrahmenplan für die Berufsausbildung zum/zur Gärtner/in aufgeführten Fertigkeiten und Kenntnisse sowie auf den im Berufsschulunterricht vermittelten Lehrstoff, soweit er für die Berufsausbildung wesentlich ist.
Prüfungsinhalte
Die Prüfung wird praktisch, schriftlich und mündlich durchgeführt.
In der praktischen Prüfung soll der Prüfling in insgesamt maximal 5 Stunden 5 Prüfungsaufgaben durchführen und erläutern. Mindestens 3 Aufgaben müssen den Bereich Produktion abdecken. Aus dem Bereich Ernte und Aufbereitung soll zumindest eine Aufgabe gestellt werden.
Die schriftliche Prüfung umfasst die Fächer Pflanzenkenntnisse, Betriebliche Zusammenhänge und Wirtschafts- und Sozialkunde. Das Prüfungsfach Anbau, in dem der Produktionsablauf verschiedener Obstarten im Mittelpunkt steht, wird durch eine mündliche Prüfung abgedeckt.
Die schriftliche Prüfung kann durch eine mündliche Prüfung ergänzt werden, wenn diese für das Bestehen der Prüfung den Ausschlag geben kann.
Die Prüfung ist bestanden, wenn im Gesamtergebnis in mindestens 3 der 4 Prüfungsfächer und im Durchschnitt der Prüfungsfächer mindestens ausreichende Leistungen erbracht worden sind.
Prüfungswiederholung
Nicht bestandene Abschlussprüfungen können laut Berufsbildungsgesetz zweimal wiederholt werden. Bei nicht eindeutigen Prüfungsergebnissen in der schriftlichen Prüfung kann eine zusätzliche ergänzende mündliche Prüfung durchgeführt werden.
Prüfende Stelle
Die Prüfungen werden - je nach Bundesland - von unterschiedlichen Institutionen abgenommen: Landwirtschaftskammern oder von den Ländern bestimmte zuständige Stellen.

Abschlussbezeichnung
Die Abschlussbezeichnung lautet: Gärtner/Gärtnerin - Fachrichtung Obstbau.

Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum - Rheinhessen-Nahe-Hunsrück, Berufsbildende Schule Agrarwirtschaft,
Schulstandort Oppenheim, Wormser Str. 111, 55276 Oppenheim, Tel. 06133/930210, Fax 930211 Mail: dorothea.eppensteiner@dlr.rlp.de
Homepage http://www.dlr-rnh.rlp.de


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