Ausbildung zum Gärtner - Fachrichtung Gemüsebau

Gärtner/inGemüsebau
Die Ausbildung im Überblick
Gärtner/innen sind Fachleute für die Produktion und Pflege von Pflanzen, aber auch für die richtige Verwendung von und für die Gestaltung mit Pflanzen. Gärtner/in ist ein anerkannter Ausbildungsberuf nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG). Er ist dem Berufsfeld Agrarwirtschaft, Schwerpunkt Pflanzlicher Bereich, zugeordnet.

Der Beruf wird in folgenden Fachrichtungen ausgebildet:

- Gärtner/in - Baumschule
- Gärtner/in - Friedhofsgärtnerei
- Gärtner/in - Garten- und Landschaftsbau
- Gärtner/in - Gemüsebau
- Gärtner/in - Obstbau
- Gärtner/in - Staudengärtnerei
- Gärtner/in - Zierpflanzenbau

Tätigkeitsbeschreibung
Gärtner und Gärtnerinnen der Fachrichtung Gemüsebau sorgen im Freiland und in Gewächshäusern für den Anbau und die Pflege von Gemüsen und Kräutern aller Art. Damit ist ganzjährig ein reichhaltiges und frisches Angebot für den Verbraucher gesichert.
Unser Gemüseverbrauch ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Immer mehr Menschen achten auf gesunde, vitaminreiche Ernährung. Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen darüber hinaus die gesundheitsfördernde Wirkung von Salaten, Gemüse und Kräutern.
Die Verbraucher wollen qualitativ einwandfreie und frische Ware. Das Angebot aus heimischer Ernte ist vielfältig, es reicht von verschiedenen Salaten und Kohlarten über Wurzel- und Zwiebelgemüse bis hin zu Blattgemüse wie Spinat und Mangold sowie Fruchtgemüse wie Tomaten, Zucchini, Gurken und Paprika. Auch Spargel und Zuchtpilze wie zum Beispiel Champignons, Austernpilze und Shiitake werden immer mehr nachgefragt.
In Gewächshäusern und im Freiland planen Gemüsegärtner und -gärtnerinnen den jeweiligen Anbau, säen Gemüsearten mit verschiedenen Verfahren aus und ziehen Jungpflanzen. Bis zur Verkaufsreife werden die Gemüse dann kultiviert, die Beete mit Handwerkzeugen wie Hacken oder Schaufeln gejätet, gewässert und ggf. gedüngt. Dabei ist für viele Betriebe umweltschonendes Kulturverfahren selbstverständlich: Sie betreiben kontrollierten Integrierten Anbau. Das heißt, dass sie beispielsweise die Fruchtfolgen genau beachten oder im Pflanzenschutz stärker mit Nützlingen statt mit chemischen Mitteln arbeiten.
Die sortenspezifische Erntezeit belohnt dann die wochenlange Arbeit. Nach der Ernte werden Gemüse, Salate und Kräuter marktgerecht aufbereitet, also gewaschen, geschnitten, gebündelt, sortiert und gekennzeichnet. Um die Angebotszeiträume zu verlängern und die Produktqualität zu erhalten, sorgen die Betriebe für eine artgemäße Lagerung des Gemüses, wobei das Lagerklima überwacht und ggf. gesteuert werden muss.
Gemüsegärtner und -gärtnerinnen verkaufen ihre Produkte über Großmärkte und Erzeugerorganisationen oder direkt an die Verbraucher. Teilweise wird das Gemüse auch an Hersteller von Konserven oder Tiefkühlkost verkauft.

Aufgaben und Tätigkeiten
- Anbauplanung und Jungpflanzenaufzucht
- Gemüseanbau planen; Frucht- und Nutzungsfolgen beachten
- Sorten sowie Saatgutformen und -behandlung auswählen
- Saatgut beurteilen und lagern
- Gemüseanbau mit Hilfe unterschiedlicher Kulturverfahren und Anbausysteme
- Boden bearbeiten und pflegen; Erden und Substrate beurteilen, lagern und verwenden
- Gemüsearten mit verschiedenen Verfahren aussäen und Jungpflanzen anziehen
- Gemüse bis zur Verkaufsreife kultivieren; bedarfsgerechte und umweltschonende Kultur- und Pflegearbeiten durchführen
- Ernte, Aufbereitung und Lagerung
- Sortenspezifische Erntezeitpunkte bestimmen und Gemüse ernten
- Gemüse marktgerecht aufbereiten (z.B. waschen, schneiden, bündeln) sowie sortieren und kennzeichnen
- Gemüse einlagern; Lagerklima überwachen und steuern
- Vermarktung
- Gemüse verpacken und zur Vermarktung transportieren
- Gemüse verkaufsfördernd präsentieren und verkaufen; Kunden informieren
Spezialisierungen
Die breite Produktpalette der Gemüsebaubetriebe führt zu einer beruflichen Spezialisierung der Gärtner/innen der Fachrichtung Gemüsebau. Je nach Betrieb sind sie beispielsweise im Anbau von Blatt- und Fruchtgemüse, Wurzel- und Knollengemüse, im Spargelanbau oder in der Pilzzucht tätig. Auch gibt es Spezialbetriebe, die sich nur mit der Anzucht und dem Verkauf von Jungpflanzen beschäftigen.
Darüber hinaus ist in Abhängigkeit von der betrieblichen Organisation auch eine Spezialisierung auf einzelne Tätigkeitsfelder, wie zum Beispiel die Pflanzenproduktion oder die Vermarktung möglich.

Ausbildungsinhalte
Während der Ausbildung im Betrieb lernt man zum Beispiel:
- wie der Boden bearbeitet und gepflegt wird,
- wie Erden und Substrate beurteilt, verwendet und gelagert werden,
- wie Pflanzen und pflanzliche Produkte sachgerecht und wirtschaftlich verwendet werden,
- wie Saatgut ausgewählt, behandelt und gelagert wird,
- welche technischen Einrichtungen zum Heizen, Kühlen, Lüften, Schattieren, Bewässern und Düngen eingesetzt werden können,
- wie man Gemüsepflanzen anzieht,
- wie man verschiedene Produktionsverfahren und Anbausysteme einsetzt,
- wie man bedarfsgerechte und umweltschonende Kultur- und Pflegemaßnahmen durchführt,
- welche Ernteverfahren für die verschiedenen Gemüse angewandt werden,
- wie Gemüse marktgerecht aufbereitet und sachgerecht eingelagert wird,
- wie Gemüse verkaufsfördernd präsentiert und vermarktet wird,
- wie man Kunden informiert und berät,
- wie man Informationen für betriebliche Abläufe und wirtschaftliche Zusammenhänge einholt bzw. erfasst und beurteilt,
- wie man Maschinen und Geräte sowie Betriebseinrichtungen bedient und instand hält.
Der theoretische Unterricht in der Berufsschule vermittelt darüber hinaus zum Beispiel:
- wie man Informationen zum Beispiel zur Kulturplanung ermittelt und Informationssysteme nutzt,
- Wissen über Pflanzen und ihre Verwendung und Pflege,
- Kenntnisse verschiedener Arbeitsverfahren und Dienstleistungen,
- Kenntnisse der umweltbewussten Kulturführung und -pflege,
- Wissen über Maschinen, Geräte, technische Einrichtungen und Anlagen,
- wie man Anbauplanungen durchführt,
- wie man Kosten und Preise ermittelt,
- Kenntnisse über Werbung, Verkaufsförderung und Gesprächsführung.
Rechtsgrundlagen:
Verordnung über die Berufsausbildung zum Gärtner/zur Gärtnerin vom 06.03.96
Rahmenlehrplan für den Ausbildungsberuf Gärtner/Gärtnerin, Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 12.08.97

Ausbildungsabschluss, Nachweise und Prüfungen
Ausbildungsabschluss:
Abschlussprüfung gemäß § 34 Berufsbildungsgesetz (BBiG).
Die Prüfung wird auf Grundlage der Verordnung über die Berufsausbildung zum Gärtner/zur Gärtnerin durchgeführt.
Erforderliche Nachweise:
Voraussetzungen für die Zulassung zur Abschlussprüfung sind:
- Das während der Ausbildung in Form eines Ausbildungsnachweises geführte Berichtsheft
- Die Teilnahme an der Zwischenprüfung
Erforderliche Prüfungen:
Zwischenprüfung
Zur Ermittlung des Ausbildungsstandes wird eine Zwischenprüfung durchgeführt. Sie besteht aus einem praktischen und einem schriftlichen Teil und soll vor dem Ende des zweiten Ausbildungsjahres stattfinden.
Abschlussprüfung
Die Abschlussprüfung in der Fachrichtung Gemüsebau erstreckt sich auf die im Ausbildungsrahmenplan für die Berufsausbildung zum/zur Gärtner/in aufgeführten Fertigkeiten und Kenntnisse sowie auf den im Berufsschulunterricht vermittelten Lehrstoff, soweit er für die Berufsausbildung wesentlich ist.
Prüfungsinhalte
Die Prüfung wird praktisch, schriftlich und mündlich durchgeführt.
In der praktischen Prüfung soll der Prüfling in insgesamt maximal 5 Stunden 5 Prüfungsaufgaben durchführen und erläutern. Mindestens 3 Aufgaben müssen den Bereich Pflanzenproduktion abdecken. Aus dem Bereich Ernte und Aufbereitung soll zumindest eine Aufgabe gestellt werden.
Die schriftliche Prüfung umfasst die Fächer Pflanzenkenntnisse, Betriebliche Zusammenhänge und Wirtschafts- und Sozialkunde. Das Prüfungsfach Anbau, in dem der Produktionsablauf von verschiedenen Gemüsearten im Mittelpunkt steht, wird durch eine mündliche Prüfung abgedeckt.
Die schriftliche Prüfung kann durch eine mündliche Prüfung ergänzt werden, wenn diese für das Bestehen der Prüfung den Ausschlag geben kann.
Die Prüfung ist bestanden, wenn im Gesamtergebnis in mindestens 3 der 4 Prüfungsfächer und im Durchschnitt der Prüfungsfächer mindestens ausreichende Leistungen erbracht worden sind.
Prüfungswiederholung
Nicht bestandene Abschlussprüfungen können laut Berufsbildungsgesetz zweimal wiederholt werden. Bei nicht eindeutigen Prüfungsergebnissen in der schriftlichen Prüfung kann eine zusätzliche ergänzende mündliche Prüfung durchgeführt werden.
Prüfende Stelle
Die Prüfungen werden - je nach Bundesland - von unterschiedlichen Institutionen abgenommen: Landwirtschaftskammern oder von den Ländern bestimmte zuständige Stellen.

Abschlussbezeichnung
Die Abschlussbezeichnung lautet: Gärtner/Gärtnerin - Fachrichtung Gemüsebau.


Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum - Rheinhessen-Nahe-Hunsrück, Berufsbildende Schule Agrarwirtschaft,
Schulstandort Oppenheim, Wormser Str. 111, 55276 Oppenheim, Tel. 06133/930210, Fax 930211 Mail: dorothea.eppensteiner@dlr.rlp.de
Homepage http://www.dlr-rnh.rlp.de


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