Hintergrundinfos zu den Schädlingen

Hier finden sie die weiterführende Informationen zur Schädlingsprognose.
Details verbergen für Apfelwickler: Fallenfänge und PrognoseApfelwickler: Fallenfänge und Prognose
(Text: J. Eichhorn)

Als bedeutendster Schädling im Apfelanbau kommt der Prognose der Entwicklung des Apfelwicklers
(Cydia pomonella) im Jahresverlauf eine bedeutende Rolle zu. Von der Zielsetzung her möglichst
befallsfreie Früchte ernten zu können, ist daher insbesondere die Verhinderung der Einbohrungen
der auf der Frucht oder den benachbarten Blättern gerade geschlüpften Larven von besonderer
Bedeutung. Für die Bekämpfung ergibt sich bei oviziden Präparaten, dass die Eiablage in ihrem
zeitlichen Verlauf prognostiziert werden muss, sowie bei Larviziden, ab wann mit dem ersten Schlupf
gerechnet werden muss und wie lange dieser andauert.

Die absolute Anzahl der zu erwartenden Individuen ist bei teilweise nur begrenzt wirksamen
Bekämpfungsverfahren, z.B. mit biotechnischen Verfahren, ein Kriterium, das deren Einsetzbarkeit
begrenzt. Der vorjährige Befall liefert hier meistens grobe Orientierungswerte, während die in der
Saison ermittelte Schadensschwelle zuverlässigere Angaben liefert.

Der zeitliche Verlauf der Eiablage und des Larvenschlupfs ist charakterisiert durch deren jeweiligen
Beginn und Dauer. Während am Einzelindividuum die Entwicklungsdauer der jeweiligen Abschnitte
recht gut bekannt zu sein scheint und damit auch prognostiziert werden kann, ergibt sich durch die
Variabilität hinsichtlich des Beginns des Falterflugs (Abb. Entwicklungsstadien) in der jeweiligen
Population eine Dimension, die außer durch den gerade gegebenen Witterungsverlauf sehr stark
durch die Reaktion der jeweiligen Population auf den Witterungsverlauf gekennzeichnet ist. Im südwest-
deutschen Raum ist regelmäßig mit der 2. Generation des Apfelwicklers zu rechnen.

Die Populationen unterscheiden sich auch kleinräumig in vielerlei Hinsichten. Jede Anlage hat ihre
eigene Vorgeschichte, nicht allein durch das Auftreten des Apfelwicklers und seiner Bekämpfung,
sondern auch z.B. durch die Sorte, deren Erntetermin und damit verbundene Entfernung der noch
nicht in Diapause gegangener Apfelwicklerlarven aus der Anlage. Dieser reduzierende Eingriff in die
Population kann den Anteil bivoltiner Individuen in der Population stark vermindern und damit die
Gefährdung durch eine Spätvermadung durch die 2. Generation senken. Die Ergebnisse der Prognosen
müssen daher generell auf die Eignung für den jeweiligen Bestand hin geprüft werden. Der Einsatz
von Pheromonfallen liefert hier brauchbare Werte für die Ermittlung des Flugverlaufs. Selbst bei größeren
Abweichungen zu dem Verlauf, wie er aus dem Prognosemodell geschätzt wird, können dessen
Angaben für den jeweiligen Entwicklungsabschnitt genutzt werden.

Daneben werden mit erheblichem Zeitaufwand an einzelnen Standorten weitere Instrumente zur
Ermittlung der Entwicklungsstadien des Apfelwicklers eingesetzt, wie zum Beispiel:
  • Ermittlung des Falterschlupfbeginns mit Schlupfkäfig,
  • Ermittlung des Eiablagebeginns mit der Eiablagedose,
  • Eiablagekontrollen im Bestand (visuell bzw. mit der Anfärbemethode),
  • visuelle Kontrollen auf Einbohrungen im Bestand,
  • Verwendung von Wellpappringen im Bestand zur Ermittlung des Verpuppungsbeginns und
  • Bestimmung der Stadien eingebohrter Larven.

Diese Methoden sind geeignet rechnerische Prognosemodelle auf ihre Tauglichkeit hin zu überprüfen, da
an diesen Einzelstandorten und für diese Einzeljahre die Entwicklungsverläufe dann zweifelsfrei vorliegen.
Dies allerdings mit der Einschränkung, dass mit diesen Methoden lediglich eine Stichprobe aus der
Gesamtpopulation erfasst wird. Die recht langen Zeiträume über die sich zum Beispiel die Verpuppung
und der Flugbeginn der 1. Generation abspielen, mindern dann doch wieder die Aussagekraft dieser
Methoden.

Pheromon-Fallenfänge in den Regionen

Die Pflanzenschutzberatung Obstbau in Rheinland-Pfalz benutzt dieses Instrument seit je her und hat
eine entsprechende Kompetenz entwickelt bei der Anwendung der Pheromonfallen und der Interpretation der Fänge. Detaillierte Kenntnisse sind u.a. erforderlich für die Platzierung der Fallen in der Anlage, für den Rhythmus des Wiederherstellens der Fängigkeit oder für die wöchentlichen Abstände der Auszählungen. Wesentlich erweitert werden die Angaben durch die Ermittlung der frischen Einbohrungen an repräsentativen Bäumen. Die inhaltliche Bewertung der Falterfänge, der Zahl der Einbohrungen und daraus abgeleitet die entsprechenden Bekämpfungsempfehlungen können dem Warndienst Obstbau entnommen werden.

In den 4 Obstbauregionen des Landes werden an insgesamt 30 Standorten Fallen für den Flug des
Apfelwicklers aufgestellt. Die Ergebnisse der wöchentlichen Auszählungen an den Einzelstandorten
einer Region, sowie den mittleren Verlauf des Falterflugs in der Region sind mittels der Auswahlfens-
tern wöchentlich aktualisiert als Grafiken wiedergegeben.

Tagesaktuelle Prognosen mit dem Modell RIMpro-Cydia

Die Apfelwickler-Prognose mit dem Modell RIMpro-Cydia wird bei der Apfelschorf-Prognose als weitere Grafik unter RIMpro grafisch dargestellt.

Im Modell RIMpro-Cydia werden die einzelnen Entwicklungsabschnitte nicht nur durch den jeweiligen
Beginn, sondern auch durch den Zeitpunkt an dem 50 % der Individuen das Stadium erreicht haben
charakterisiert. Mit einer wählbaren Streubreite (0 bis 1) wird ein weiteres Instrument bereit gestellt
für die Anpassung an die aktuell herrschenden Bedingungen.

Die einzelnen Entwicklungsabschnitte lassen sich durch das Erreichen bestimmter Wärmesummen
(WS) bei einer Basistemperatur von 10 °C prognostizieren. Deren Parameter im Modell
RIMpro-Cydia (Stand: 2005) sind in nachfolgender Grafik erläutert:








    In der RIMpro-Cydia-Grafik sind:

    Entwicklungs-
    abschnitte
    Prozess
    Erläuterung
    diapausierende Larven= ist in der Grafik nicht dargestellt;

    = abhängig von Temperatur; Erreichen der WS von 260 °C mit einer Streuung von ca. 65 °C;
    Verpuppung
    Falterflug= hellblauer Bereich (nicht begattete Weibchen) im unteren Teil der Grafik;
    Begattung
    = dunkelblauer Bereich (begattete Weibchen) im unteren Teil der Grafik;

    = abhängig von Temperatur und Niederschlag
    Eiablage (G1)= abhängig von Temperatur in den Abendstunden und Niederschlag
    Eireifung
    = abhängig von Temperatur; Erreichen der WS von 260 °C mit einer Streuung von ca. 65 °C
    Larvenschlupf (G1)= rotes Feld im oberen Teil der Grafik;
    Larven-
    entwicklung
    L1 – L5
    = abhängig von Temperatur; Erreichen der WS von 260 °C mit einer Streuung von ca. 65 °C
    Diapause bzw.
    Verpuppung und Start der nächsten Generation
    = siehe weiter oben

    Bekämpfungsstrategie

    Als wirtschaftlich bedeutendster Schädling im Apfelanbau, ist die Kenntnis aller Einzelaspekte des
    Schaderregers (Biologie, Dynamik der Entwicklung, Schadensverlauf und -ausmaß) und eine darauf
    ausgerichtete Strategie im Insektizideinsatz von größter Bedeutung. Mit den vorliegenden Instrumenten
    liegt eine Vorgehensweise vor, die Grundlage für eine optimierte Strategie sein kann.

    Die Darstellungen werden wöchentlich aktualisiert.

    Über die Einbindung der Ergebnisse in die Apfelwicklerbekämpfung informiert Sie Ihre
    Pflanzenschutzberatung_Obstbau Rheinland-Pfalz.

    Quellen:
    Trapman, M., 2005: RIMpro-Cydia, 2005. Zoelmond, NL. http://www.biofruitadvies.nl
    Zelger, R., 2005 : Apfelwickler – Neue Erkenntnisse zur Lebensweise und Bekämpfung.
    Vortrag beim Bundes-Kernobstseminar Oppenheim.


    Details verbergen für Apfelschalenwickler: FallenfängeApfelschalenwickler: Fallenfänge
    (Text: Pflanzenschutzberatung Obstbau Rheinland-Pfalz)

    Es treten mehrere verschiedene Arten von Schalenwicklern auf (Adoxophyes orana, Archips podana, Archips xylosteanus, Pandemis heparana). Am bedeutendsten ist jedoch der Apfelschalenwickler Adoxophyes orana. Zur Überwachung der Flugaktivität können Pheromonfallen verwendet werden.

    Schadensschwellen für Adoxophyes orana
    • 1% frische Fraßschäden an den Früchten (Naschfraß) bei der Ernte im Vorjahr
    • 0,5 - 1 Räupchen pro 100 Blütenbüschel (April, Mai)
    • 5% mit Räupchen besetzte Triebspitzen (Juli, August)

    Quelle:
    Pflanzenschutzberatung Obstbau Rheinland-Pfalz, Einhefter Baumobst, Beilage in Obstbau, 2006.

    Details verbergen für Pflaumenwickler: FallenfängePflaumenwickler: Fallenfänge
    (Text: Pflanzenschutzberatung Obstbau Rheinland-Pfalz)

    Beim Pflaumenwickler (Cydia funebrana) erfolgt die Prognose durch Kontrolle des Falterfluges mit Pheromonfallen, die spätestens ab Ende April in den Anlagen angebracht werden müssen. Die Falter der 1. Generation fliegen von Ende April bis Juni, die Falter der 2. Generation von Juli bis Anfang September. Die Eiablage erfolgt in den Abendstunden bei Temperaturen von über 16 °C.
    Quelle:
    Pflanzenschutzberatung Obstbau Rheinland-Pfalz, Einhefter Baumobst, Beilage in Obstbau, 2006.

    Details verbergen für Kirschfruchtfliegen: FallenfängeKirschfruchtfliegen: Fallenfänge
    (Text: Pflanzenschutzberatung Obstbau Rheinland-Pfalz)

    In Rheinland-Pfalz tritt seit einigen Jahren neben der Europäischen Kirschfruchtfliege (Rhagoletis cerasi) verstärkt auch die Amerikanische Kirschfruchtfliege (Rhagoletis cingulata) auf.

    Im Rahmen eines Kirschfruchtfliegenmonitorings in 2005 konnten an 15 Standorten in Rheinhessen insgesamt 2945 Fruchtfliegen mit Gelbtafeln abgefangen werden. 85 % der gefangenen Fliegen konnten als Rhagoletis cerasi, 15 % als Rhagoletis cingulata identifiziert werden. Wie in den Vorjahren, so setzte auch 2005 der Flug von R. cingulata ca. 2-4 Wochen später ein als derjenige von R. cerasi. Der Flug dauerte bei beiden Arten bis etwa Anfang/Mitte August.

    Befallsbonituren in Rheinhessen haben ergeben, dass R. cingulata nicht nur Süßkirschen sondern in stärkerem Maße auch Sauerkirschen befällt. Beobachtungen haben ergeben, dass R. cingulata auch bereits rot gefärbte Kirschen ansticht.
    Die Prognose erfolgt durch die Ermittlung des Flugbeginns und der Populationsdichte mit Gelbtafeln, die spätestens ab Mitte Mai an der Süd-, Südwestseite der Bäume anzubringen sind. Anlagen mit Frühsorten sind mit einzubeziehen. Eine direkte Bekämpfung der Kirschfruchtfliege ist mit Gelbtafeln nicht möglich.

    Schadensschwelle
    • 2 - 3 Fliegen je Gelbtafel pro Tag (Rebell – Kreuzfalle)
    Quelle:
    Pflanzenschutzberatung Obstbau Rheinland-Pfalz, Einhefter Baumobst, Beilage in Obstbau, 2006.







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