Ausbildung zum Gärtner - Fachrichtung Friedhofsgärtnerei

Gärtner/inFriedhofsgärtnerei
Die Ausbildung im Überblick
Gärtner/innen sind Fachleute für die Produktion und Pflege von Pflanzen, aber auch für die richtige Verwendung von und für die Gestaltung mit Pflanzen. Gärtner/in ist ein anerkannter Ausbildungsberuf nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG). Er ist dem Berufsfeld Agrarwirtschaft, Schwerpunkt Pflanzlicher Bereich, zugeordnet.

Der Beruf wird in folgenden Fachrichtungen ausgebildet:

- Gärtner/in - Baumschule
- Gärtner/in - Friedhofsgärtnerei
- Gärtner/in - Garten- und Landschaftsbau
- Gärtner/in - Gemüsebau
- Gärtner/in - Obstbau
- Gärtner/in - Staudengärtnerei
- Gärtner/in - Zierpflanzenbau

Tätigkeitsbeschreibung
Friedhofsgärtner/innen übernehmen die Planung, Anlage, Gestaltung und Pflege von Grabstätten.
Etwa die Hälfte der Bundesbürger hat ein Grab zu betreuen. Für sie ist der Friedhof ein Ort der inneren Einkehr, der Stille und der Besinnung. Doch Friedhöfe sind weit mehr als nur Stätten der Trauer, sie sind auch grüne und blühende Oasen unserer Städte, stellen hier oft die größten zusammenhängenden Grünflächen dar. Die Einbindung der Grabstätten in eine parkähnliche Anlage ist typische für deutsche Friedhöfe. Sie sind ein wesentlicher Teil des innerstädtischen Grüns mit großer ökologischer Bedeutung.
Fast 90% aller Gräber in Deutschland sind mit Blumen geschmückt. Friedhofsgärtner und Friedhofsgärtnerinnen legen Grabstätten nach den Wünschen der Kunden an, berücksichtigen bei der jahreszeitlichen Wechselbepflanzung eine standortgerechte Pflanzenauswahl. Viele Betriebe züchten und kultivieren in ihren Gewächshäusern einen Teil der Blumen und Pflanzen selbst, die sie bei der Grabbepflanzung, für Kränze, Sträuße und Pflanzenschalen fachgerecht verarbeiten.
Bei der Planung von Grabstätten müssen Friedhofsgärtner und -gärtnerinnen Friedhofsrecht und Friedhofsordnungen berücksichtigen. Sie erstellen Grabskizzen und teilen Flächen auf, wobei das Grab genau ausgemessen werden muss. Auch der Boden wird bearbeitet und gepflegt, Erden und Substrate werden beurteilt, gelagert, auf Gräbern aufgetragen. Je nach Jahreszeit bepflanzen Friedhofsgärtner und -gärtnerinnen die Gräber mit wechselndem Blumenschmuck und sorgen für eine gestalterische Einheit von Grabzeichen und Bepflanzung. Je nach Bepflanzung schneiden sie Hecken und Gehölze, gießen, düngen, jäten und führen Pflanzenschutzmaßnahmen durch. Dabei arbeiten sie z.B. mit Handwerk-zeugen wie Hacken, Scheren und Spaten.
Auch die sachkundige Information und Beratung der Kunden beim Pflanzenkauf und hinsichtlich friedhofsgärtnerischer Leistungen gehört zum Aufgabenspektrum. Weiterhin müssen Pflanzen und Bindereierzeugnisse präsentiert, verkauft und ausgeliefert werden.
Friedhofsgärtner und -gärtnerinnen setzen sich auch für den Umweltschutz ein: Sie haben erreicht, dass fast überall nur noch kompostierfreundliche Materialien verarbeitet werden, vor allem auch in der Trauerbinderei.

Aufgaben und Tätigkeiten
- Anlage, Pflege und Erneuerung von Grabstätten unter Berücksichtigung friedhofsrechtlicher Bestimmungen und Richtlinien zur Grabgestaltung
- Grabstätten planen und Grabskizzen erstellen
- Unterschiedliche Grabstätten einmessen, gestalten und bepflanzen
- Pflege von Friedhofsanlagen und Arbeiten im Zusammenhang mit der Bestattung
- Boden bearbeiten und pflegen; Erden und Substrate beurteilen, lagern und verwenden
- Pflege- und Erneuerungsarbeiten sowie Wechselbepflanzungen vornehmen
- Pflanzen und pflanzliche Produkte unter Beachtung ihrer Ansprüche und Qualitätsstandards verwenden
- Trauerbinderei und Dekoration
- Kränze, Grabsträuße und -gestecke herstellen; kompostierfreundliche Materialien ver- wenden; Schalen bepflanzen
- Vermehrung und Kultur von Pflanzen
- bedarfsgerechte und umweltschonende Kultur- und Pflegearbeiten durchführen
- Verkauf und Kundenberatung
- Kunden über friedhofsgärtnerische Leistungen informieren und beim Pflanzenkauf beraten
- Pflanzen und Bindereierzeugnisse präsentieren, verkaufen und ausliefern

Spezialisierungen
Zum Teil spezialisieren sich Gärtner und Gärtnerinnen - Fachrichtung Friedhofsgärtnerei nach ihrer Ausbildung auf einzelne Tätigkeitsbereiche. Meistens allerdings üben sie mehrere Tätigkeiten in Kombination aus.

Ausbildungsinhalte
Während der Ausbildung im Betrieb lernt man zum Beispiel:
- wie der Boden bearbeitet und gepflegt wird,
- wie Erden und Substrate beurteilt, verwendet und gelagert werden,
- wie Pflanzen und pflanzliche Produkte sachgerecht und wirtschaftlich verwendet werden,
- wie man Kulturräume und Kultureinrichtungen richtig einsetzt und nutzt,
- wie Pflanzen vermehrt und kultiviert werden,
- wie Grabstätten geplant, angelegt, gepflegt und erneuert werden,
- was dabei hinsichtlich Friedhofsrecht und Friedhofsordnung zu beachten ist,
- wie Trauerbinderei durchgeführt wird und Dekorationen hergestellt werden,
- wie man Pflanzen und Bindereierzeugnisse präsentiert und verkauft,
- wie man Kunden berät,
- wie man Informationen für betriebliche Abläufe und wirtschaftliche Zusammenhänge einholt bzw. erfasst und beurteilt,
- wie man Maschinen, Geräte sowie Betriebseinrichtungen einsetzt, bedient und instand hält.
Der theoretische Unterricht in der Berufsschule vermittelt darüber hinaus zum Beispiel:
- wie man Informationen zum Standort und zur Kulturplanung ermittelt und Informationssysteme nutzt,
- Wissen über Pflanzen und ihre Verwendung und Pflege,
- Kenntnisse verschiedener Arbeitsverfahren und Dienstleistungen,
- Kenntnisse der umweltbewussten Kulturführung und Pflege,
- Wissen über Maschinen, Geräte, technische Einrichtungen und Anlagen,
- wie man Anbauplanungen durchführt,
- wie man Kosten und Preise ermittelt,
- Kenntnisse über Werbung, Verkaufsförderung und Gesprächsführung.
Rechtsgrundlagen:
Verordnung über die Berufsausbildung zum Gärtner/zur Gärtnerin vom 06.03.96
Rahmenlehrplan für den Ausbildungsberuf Gärtner/Gärtnerin, Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 12.08.97

Ausbildungsabschluss, Nachweise und Prüfungen
Ausbildungsabschluss
Abschlussprüfung gemäß § 34 Berufsbildungsgesetz (BBiG)
Die Prüfung wird auf der Grundlage der Verordnung über die Berufsausbildung zum Gärtner/zur Gärtnerin durchgeführt.
Erforderliche Nachweise
Voraussetzungen für die Zulassung zur Abschlussprüfung sind:
- das während der Ausbildung in Form eines Ausbildungsnachweises geführte Berichtsheft
- die Teilnahme an der Zwischenprüfung
Erforderliche Prüfungen
Zwischenprüfung
Zur Ermittlung des Ausbildungsstandes wird eine Zwischenprüfung durchgeführt. Sie besteht aus einem praktischen und einem schriftlichen Teil und soll vor dem Ende des zweiten Ausbildungsjahres statt-finden.
Abschlussprüfung
Die Abschlussprüfung in der Fachrichtung Friedhofsgärtnerei erstreckt sich auf die im Ausbildungs-rahmenplan für die Berufsausbildung zum Gärtner/zur Gärtnerin aufgeführten Fertigkeiten und Kennt-nisse sowie auf den im Berufsschulunterricht vermittelten Lehrstoff, soweit er für die Berufsausbildung wesentlich ist.
Prüfungsinhalte
Die Prüfung wird praktisch, schriftlich und mündlich durchgeführt.
In der praktischen Prüfung soll der Prüfling in insgesamt maximal 5 Stunden 5 Prüfungsaufgaben durchführen und erläutern. Mindestens je 2 Aufgaben müssen die Bereiche
- Grabanlage sowie
- Pflanzenproduktion, Trauerbinderei und Dekoration
abdecken.
Die schriftliche Prüfung umfasst die Fächer Pflanzenkenntnisse, Betriebliche Zusammenhänge und Wirtschafts- und Sozialkunde.
Das Prüfungsfach Grabanlage und Kulturführung, in dem die Anlage von Gräbern im Mittelpunkt steht, wird durch eine mündliche Prüfung abgedeckt.
Ein schriftliches Prüfungsfach kann durch eine mündliche Prüfung ergänzt werden, wenn diese für das Bestehen der Prüfung den Ausschlag geben kann.
Prüfungswiederholung
Nicht bestandene Abschlussprüfungen können laut Berufsbildungsgesetz zweimal wiederholt werden.
Prüfende Stelle
Die Prüfungen werden - je nach Bundesland - von unterschiedlichen Institutionen abgenommen: Landwirtschaftskammern oder von den Ländern bestimmte zuständige Stellen.

Abschlussbezeichnung
Die Abschlussbezeichnung lautet: Gärtner/Gärtnerin - Fachrichtung Friedhofsgärtnerei.

Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum - Rheinhessen-Nahe-Hunsrück, Berufsbildende Schule Agrarwirtschaft,
Schulstandort Oppenheim, Wormser Str. 111, 55276 Oppenheim, Tel. 06133/930210, Fax 930211 Mail: dorothea.eppensteiner@dlr.rlp.de
Homepage http://www.dlr-rnh.rlp.de


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